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manche noch jetzt vorhanden. Auch Paris
besuchte Weber öfters, aber er hat in der
Stadt selbst, wo er mit dem befreundeten vortrefflichen
Frankfurter Adolph Schreyer verkehrte
, nie gearbeitet, jedoch malte er (1864)
viel Oelstudien und Aquarelle in Barbizon
und dem Walde von Fontainebleau. Bei einem
dort ansässigen Deutschen, dem Berliner Stilllebenmaler
Grönland, bei dem viele deutsche
und französische Maler verkehrten, lernteWeber
auch den großen Millet und den feinen Char-
als Hochzeitsgeschenk für Prinz Ludwig von
Hessen, nachmals Großherzog Ludwig IV.,
ausführte (siehe den Karton auf S. 453 des
in veränderter Fassung ausgeführten Werkes).
Durch dieses vortreffliche Gemälde hat Meister
Weber sich die höchste Anerkennung und dauernde
Verehrung der kunstsinnigen Prinzessin
, der er auch Unterricht erteilen durfte,
erworben. Ein sehr großes Bild des Lago mag-
giore mit zwei Regenbogen, der überaus eindrucksvolle
„Rabenstein" (Motiv an der Um-
PAUL WEBER
Großh. Landesmuseum, Darmstadt
OCHSENGESPANN (1874)
les Jacques näher kennen. Die Pflege der
Musik war es, die diese Künstler einander
näher brachte. Ihr Einfluß hat sehr befruchtend
auf den empfänglichen Weber gewirkt.
Bodmer, Teichlein, Brendel gehörten dort noch
zu seinem Kreis. Aus dieser Zeit ist das Gemälde
„Sandhügel bei Barbizon" und aus späteren
Jahren, 1875, das köstliche Stück „Waldinneres
von Fontainebleau" vorhanden und
ganz besonders hervorzuheben. Eins der hervorragendsten
Werke der Darmstädter Zeit, in
der auch noch viele Bildnisse entstanden, ist
seine schottische Landschaft „Loch Katrine"
(Abb. S. 445), das größte seiner mir bekannten
Gemälde, das er im Auftrag der Stadt Darmstadt
gebung von Darmstadt), wundervolle Arbeiten
aus dem dortigen Park, von der „Ziegelhütte",
den Darmwiesen, hochpoetisch in dem duftigen
Sonnenschimmer und den mit unendlicher
Liebe studierten üppigen Wiesenblumen am
Rand des lustigen Baches, das Bild der Mainzer
Galerie aus dem Schwetzinger Schloßgarten
u. v. a. sind noch besonders zu erwähnen. Schon
bald nach der Rückkehr aus Amerika 1862
hatte der Meister eine Folge von größeren
sowie kleine Steinzeichnungen herausgegeben.
Diese prächtigen, mit größter Feinheit gezeichneten
Blätter, als Zeichenvorlagen gedacht,
sind frei von dem sonst so unangenehmen
Manierismus der üblichen Vorlagen. Sie haben
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