http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_35_1917/0520
august deusser
Große Berliner Kunstausstellung, Düsseldorf
pferde auf der weide
und freut sich jetzt mit Recht des vielen Anregenden
in den weiten Kunstpalast-Räumen.
Daß dagegen die Berliner Kunstfreunde
Not gelitten hätten, wird niemand behaupten
können, der die dortigen Ausstellungsereignisse
verfolgt. Sie werden kaum untröstlich
darüber sein, daß in diesem Jahre die Bilderschau
am Lehrter Bahnhof ausfällt. Da der
Ausstellungspalast militärischen Zwecken
diente, war die Verlegung notwendig. Dem
einträchtigen Zusammenarbeiten der Berliner
Künstler unter Führung des Professors Max
Schlichting und der Düsseldorfer, deren
Interessen Akademiedirektor Professor Fritz
Roeber vertrat, ist es zu danken, daß die
nicht geringen Hindernisse überwunden und
nach einer Vorbereitungszeit von nur sechs
Wochen die „Große Berliner Kunstausstellung
im Kunstpalast zu Düsseldorf" eröffnet werden
konnte.
Die künstlerischen Beziehungen von Düsseldorf
zu Berlin und umgekehrt sind sehr alten
Datums. In der Blütezeit der Romantik, als
Wilhelm von Schadow, Gottfrieds Sohn, von
Berlin zur Leitung der Kunstakademie berufen
wurde, waren sie enger denn je. Hübner,
den die Deutsche Jahrhundertausstellung als
großen Porträtisten enthüllte, und andere
Künstler folgten Schadow an den Rhein.
Andererseits mußte Düsseldorf den neben
Andreas Achenbach, Adolf Schroedter und
Kaspar Scheuren feinsten Illustrator, Theodor
Hosemann, an Berlin abtreten, und Steinbrück,
Schräder, Meyer von Bremen und viele andere
setzten dort eine Kunstübung fort, die im
Grunde ganz düsseldorfisch, meistens allzusehr
, bestimmt war.
Zwistigkeiten gab es nur in der Schadow-
Zeit, als die jungen Rheinländer, denen die
alte baufällige Akademie kaum den nötigsten
Bewegungsraum bot, Anlaß hatten, sich über
die Bevorzugung der „Berliner" oder, wie man
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