http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_35_1917/0522
JULIUS BRETZ
Große Berliner Kunstausstellung, Düsseldorf
BUCHENWALD. SOMMER
Plontke repräsentiert. Der tonig gemalte, an
Leibi erinnernde „Kuhstall" (Abb. S.470), der
„Karfreitag" und einige andere Innenraumbilder
, auch die reizvollen, im Kriege gemalten
Aquarelle aus Flandern geben dem Westen zum
ersten Male eine Anschauung von dem in Berlin
so gefeierten Eichhorst. Feyerabends frisch
gemalten „Viehmarkt in Nördlingen" hat der
preußische Staat angekauft. Die „Gratulantin"
von Plontke ist ein hervorragend gut gemaltes
Kinderbildnis. Die reizvoll komponierte, in den
Farben lockere und bewegte „Sommerlandschaft
" Jülichs (Abb. S. 471) macht begierig,
mehr von diesem homo novus kennen zu
lernen. Alles in allem wird jedoch in den
Regionen des „Vereins Berliner Künstler"
ein versprechender junger Nachwuchs vermißt.
Hier setzen die beiden Sezessionen ein,
und daß sie das erstemal gemeinsam mit
den anderen Berliner Künstlern ausstellten,
darf wohl als programmatisch gedeutet werden.
Da der Düsseldorfer Kunstpalast gewissermaßen
neutraler Boden ist, konnte dieses
Zusammenwirken, bei dem die Secessionen
recht günstig abschneiden, mit von vorneherein
verbürgtem Gelingen vor sich gehen.
Trotzdem Führer wie Liebermann und
Trübner nicht eben ihre besten noch auch
neuesten Bilder hergeliehen haben, obwohl
Slevogt und Thoma, von den Bildhauern
Barlach und Kolbe ganz fehlen, wirken die
Säle der alten, der „Freien Secession" als
ein Höhepunkt der ganzen Ausstellung. Es
herrscht hier nicht soviel Ateliergeruch. Man
fühlt einen frischeren Atem, ein herzhafteres
Drauflosgehen auf die Probleme, eine Kunstgesinnung
, die in liberaler Weise auch den
Jüngsten ihr Recht gibt. Landschaften, wie
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