http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_35_1917/0540
von Gesichtern und Gestalten hat Schott Bedeutsames
geleistet. Man muß die Radierungen
langsam beschaulich auf ihre Einzelheiten
hin prüfen, um zum Vollgenuß zu kommen.
Darin steht der junge Künstler im Gegensatz
zu den Richtungen, die vor dem Krieg von
sich reden machten und auch jetzt noch mit
ihren embryonischen Gebilden aufdringlich
wirken. Doch er kehrt nicht zu vorvergangenen
Schulen zurück, es liegt etwas durchaus
Neues, Jugendfrisches in seiner Arbeit, das
nach Entfaltung drängt. Das liebste Blatt ist
mir Pierrot im Gebet, ein Blatt voll Sonne
und tiefer Schatten. Das Madonnenbild mit
einem Blechdach darüber steht so gut in der
Luft, wie es einem reifen Meister nicht besser
hätte gelingen können. Man hat den Wunsch,
dem jungen Künstler, dessen Arbeiten fern
vom Weltgeschehen liegen und von reiner
Menschlichkeit sprechen, noch öfters zu begegnen
.
Nur der Handwerker kopiert die Wirklichkeit,
der Künstler stellt sie so dar, wie sie erscheint,
nachdem ihr Bild durch seine Seele gegangen ist.
Graf S ch a ck
478
http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_35_1917/0540