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Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 37. Band.1918
Seite: 54
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THEO VON BROCKHUSEN

Ausstellung der Freien Secession, Berlin

SONNIGE LANDSCHAFT

sie die Irrtümer der Väter als ein ehrwürdiges
Vermächtnis pflegen."

An die Stelle des Naturstudiums muß das
treten, was er mit dem Wort „Naturerschauen "
bezeichnet. „Nur aus diesen Erschauen der
Natur läßt sich der edle Stoff gewinnen, der,
dem Werkstoff eingehaucht, zur belebenden
Seele wird . . . Die Formen der Kunst sind
ja die Formen der Natur, nur zu anderem
Dienst tauglich gemacht: losgelöst von ihren
Trägern, nicht mehr diese, sondern sich selber
aussprechend, in neue Beziehungen geknüpft,
aber doch die Formen der Natur . . . Hier
fallen Lichtstrahlen in das mystische Dunkel,
indem sich zwischen Formen und Formen, Farben
und Farben jene Zusammenhänge und
Beziehungen knüpfen, die zwingend für unser
Empfinden sind und aus denen das Kunstwerk
seine beglückende Kraft zieht . .

Um aber das Arbeiten und Darstellen zu
lernen, empfiehlt er die Betätigung im Kunstgewerbe
, da Werkstoff und Werkzeug selbst

die besten Lehrer an erzieherischen Gaben
übertreffen. Das Kunstgewerbe bietet deutlich
umgrenzte und durch sachliche Bedürfnisse
bestimmte Aufgaben: werden diese
gründlich erledigt, so lernt der Schüler an dem
einen Werkstoff, was auch alle anderen ihn
lehren würden. Die Werkstoffe irren niemals

— keinem andern Lehrer gelingt das, und die
Irrtümer des Lehrers sind immer gefährlich

— sie drängen nie dem Schüler auf, was seiner
Eigenart nicht gemäß ist, sie gehen nie zu
rasch vorwärts: es ist die Natur selber, die
aus dem Werkstoff heraus mitlehrend wirkt.
Da lernt er die Ehrfurcht vor dem Material
empfinden. Von einem streng eingehaltenen
und regelrechten Lehrgang kann da freilich
nie die Rede sein: es müssen die Gelegenheiten
, wie sie sich bieten, benützt werden,
um immer wieder an der einen Arbeit, die
gerade im Werden ist, zu zeigen, was für alle
Geltung hat. „Kleine und einfache Arbeiten,
die mit geringem Zeitaufwand ganz durchge-

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