http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_37_1918/0082
eine Gedankenlosigkeit in der Verwaltung des
Geldes, die auf der gleichen Stufe steht mit
dem Leichtsinn, der für geringe Kunstwerke
unerhörte Preise anlegt.
Gewiß handelt es sich bei den Preissteigerungen
des Kunstmarktes um eine Torheit;
doch nicht allein um solche. Im allgemeinen
zeigen die ja leider nicht immer glaubwürdigen
Auktionsberichte, daß die ganz großen
Preise nur für gute Werke oder wenigstens
für gute Namen angelegt werden. Ohne
alle Kritik und Belehrung scheint sich das
Publikum nicht in die Versteigerungssäle zu
begeben. Den besten Maßstab geben wohl die
Antiquitäten. Diese flauen bereits ab, während
für gute Plastik und Malerei die aufsteigende
Linie eingehalten wird wie vor dem
Kriege. Das ist auch ein Zeichen dafür, daß
das Ganze nicht so ungesund ist, wie von
Unkundigen behauptet wird. Wenn sich also
einmal die meistens etwas plumpe Hand des
Gesetzgebers nach dem Kriege mit den in so
schwerer Zeit gemachten Ankäufen befassen
wird, wäre es recht gut, das Laienurteil auszuschalten
, das in Sachen der Kunst erfahrungsgemäß
über eine nur scheinbar gut fundierte
Logik verfügt.
Auch wäre zu prüfen, wie viel von dem
wahr ist, was über den Ausfall der Auktionen
erzählt wird. Ich wenigstens habe einmal einem
Sammler zu dem von den Zeitungen gemeldeten
ausgezeichneten Ergebnis seiner Auktion Glück
gewünscht. Aber der Arme sagte mit gepreßter
Stimme, daß das alles nicht wahr sei,
und daß er einige hunderttausend Mark bei
der Gelegenheit verloren habe. Leider hat
er die Wahrheit gesagt, wie ich später erfuhr.
Karl Voll
heinrich hübner
blick in den gelben saal
Ausstellung der Freien Secession, Berlin
60
http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_37_1918/0082