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Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 37. Band.1918
Seite: 105
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philipp franck

am flussufer (radierung 1883)

PHILIPP FRANCK

Die Entwicklung der modernen deutschen
Kunst bedeutet einen gewaltigen Kampf
um die Ausdrucksformen des Naturerlebnisses.
Die letzten Jahrzehnte sind ein ständiges Versuchen
mit immer neuen Mitteln, ein Verwerfen
der Tradition, ein revolutionäres sich Emanzipieren
. Vor einem Menschenalter noch waren
es nur einzelne Größen, die unvermittelt, unverstanden
, einsam ihrer Wege gehen mußten
— heute kann sich niemand mehr der allgemeinen
Anspannung verschließen. Der vom
Westen hereinbrechende Sturm hat die Gemüter
derartig aufgepeitscht, daß eine ungeheuere
Bewegung das gesamte deutsche Kunstleben
ergriffen und alle Kräfte aus der gemächlichen
Beschaulichkeit aufgerüttelt hat. Galt Liebermann
in den achtziger Jahren als ein Revolutionär
, wurde Corinth verspottet und verlacht,
so sind ihre Werke heute bereits klassische
Vorbilder und ein Allgemeingut der Nation.

Nicht die einsamen Größen sind es, die
einer Epoche den Stempel aufdrücken, sondern
es bedarf der die Masse aufrüttelnden Bewegung
, die alle ihre Kräfte in den Dienst einer
zum Erfolge führenden Erkenntnis stellt.

Dieses Streben und Ringen, dieser auf einer
grundehrlichen Arbeitsdisziplin aufgebaute und

in Jahren selbstloser Anstrengung erworbene
Erfolg (mit der Zeit nicht gealtert, sondern
immer reifer geworden zu sein) dokumentiert
sich in den Werken von Philipp Franck, der
sich aus der alten Zeit des akademisch trockenen
Unterrichtes so viel Lebensfrische herübergerettet
hat, daß man mit einigem Staunen
vernimmt, daß er, der moderne Verkünder
der deutschen Landschaft, einst ein Schüler
Eduard von Steinles gewesen.

In den Komponierklassen des Städelschen
Instituts zu Frankfurt, da man nach einem
verbrauchten akademischen Rezept in der auf
Wissen aufgebauten Atelierarbeit, in der Abstraktion
von der Natur, nicht in der Naturr
das Heil des Künstlers erblickte, wo das Historienbild
noch Triumphe feierte und der reinen
Landschaft als Selbstzweck jede Daseinsberechtigung
abgesprochen wurde, mühte sich
der junge Künstler getreu der Anleitung des
verehrten Altmeisters an umfangreichen Märchenzyklen
ab, schloß sich aber bald einer
kleinen Schar von Zweiflern an, die in dem
benachbarten Taunus, dem französischen Weckrufe
folgend, neuen Zielen entgegenstrebte.

Doch auch hier fehlte noch der Mut zu einem
realistischen Farbenbekenntnis und einer aller

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