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Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 37. Band.1918
Seite: 127
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JOH. WILH. SCHIRMER

DER MITTAG. 1856/57 WÄHREND BÖCKLINS ERSTEM
AUFENTHALT IN ITALIEN ENTSTANDEN

BOCKLIN UND DIE ALTEN MEISTER
I. DER JUNGE BÖCKLIN

Im Juni 1917 fand im Baseler Kunstverein
eine Böcklin-Ausstellung von Werken aus
dem Nachlaß und aus Baseler Privatbesitz statt.
Bei der Eröffnung hielt der Maler und Bildhauer
Karl Burckhardt eine Rede, die mit folgenden,
leider allzu zeitgemäßen Worten begann:

„Die letzte große Böcklin-Ausstellung (von
1897) in der Kunsthalle war farbenleuchtender
als die von heute, sie war auch begleitet von
Jubel, Fest und Fahnen.

Eine ungeheure Begeisterungswelle hatte
damals, wie es schien, die ganze gebildete
Welt erfaßt, und ich glaubte, als junger Mensch,
mit erhebendem Gefühl, daß große und echte
Kunst in der Welt eine Macht bedeute. Ich
erlebte es, daß bis an den entlegensten Strand
Süditaliens einfache Leute von seinem Ruhm
sprachen . . . ." „Wer von den Anwesenden
dieses immer leuchtendere siegreiche Einziehen
der Böcklinschen Welt in einem Alter jugendlicher
Empfänglichkeit miterlebt hat, wird nachfühlen
, wie groß nachher die Ernüchterung war,
als die gebildete Welt auf den ersten Ansturm

der Skepsis ihren Abgott fallen ließ und eine
lange lahme Zeit der Gleichgültigkeit folgte,
in der jeder als rückständig und idealistisch
verschrien wurde, der noch mit alter Begeisterung
zu Böcklin hielt . . . ." „Diese Zeit reicht
bis in unsere Tage."

Der „Ansturm der Skepsis" war u.a. auch
von der Anklage begleitet, Böcklin habe alles verdammt
, was an Bedeutung über ihn hinausragte,
alles was zur eigentlichen Malerei gehöre, mindestens
den „zweiten Entwicklungsstrang", die
Entwicklung,die zum Impressionismus hinführt.

Eine genauere Untersuchung des Tatbestandes
hätte dem Urheber dieser Behauptung
das Gegenteil bewiesen, aber sorgfältige Erhebungen
, die schon von anderer Seite gemacht
worden waren, wurden als unzuverlässig
behandelt und ketzerische Aeußerungen, wie
sie abends beim Weine zu fallen pflegen, als
vollwichtige Zeugnisse angenommen. Darumsei
einmal zu der schriftlichen und mündlichen
Tradition auch noch eine andere Quelle herangezogen
, das Werk des Meisters selbst. Böcklin

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