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A. LIER
Ausstellung Fritz Gurlitt, Berlin
DER LANDSCHAFTSMALER
des 18. Jahrhunderts, aus der sich Blechen durch
eigene Kraft emporarbeitete. Otts „Blick auf
Florenz" führt noch nach dem gelobten Land
Italien, aber schon Liers „Landschaftsmaler"
mit dem intimen Eingehen auf die Baumstruktur
wirkt wie ein Bekenntnis (Abb. S. IM). Des
Hamburgers Langko „Bäume im Sturm" bedeuten
die kraftvolle Note, und die Waldlandschaften
des Weimarers Buchholz jenes
freudige Sicheinbohren in jegliches Naturmotiv,
das dann für die folgenden Jahre charakteristisch
werden sollte (Abb. S. 155). Des Thoma-
Freundes Louis Eysen fünfzehn Bilder stellen
den eigentlichen Mittelpunkt dieser Ausstellung
dar (Abb. S. 14M). Sie sind von einer köstlichen
Wahrheit der Empfindung, die von einem echt
malerischen Sinn für zarte Uebergänge und verschwebende
Töne getragen wird. Sein Grün
hat nichts mehr von der Schwere seiner Vorgänger
und der sammetweiche Auftrag erinnert
etwa an P. Merse Szinyei, freilich ohne dessen
Sinn für dekorative Werte. Ganz modern
mutet eine Winterlandschaft des Autodidakten
Schleich an, in dem straffen Zusammenhalten
des Graublau vom Schnee. Thomas „Sturm
im Wiesengrund" zeichnet ein starker Doppelklang
von Graugrün und Blau aus, der für
ihn so bezeichnend ist; dagegen bewegen sich
zwei Guascheskizzen in ganz lichten Farben.
Von den Nazarenern ist Overbeck mit einem
„Christus und Magdalena" vertreten; ein in
der Haltung ähnliches Bild des barmherzigen
Samariters ist von Nikolaus Baur. Der
„Schmetterlingssammler" von Karl Spitzweg
zeigt die delikaten Uebergänge und duftigen
Tiefen seiner späten Waldlandschaften, etwa
der „Schauspielergesellschaft" oder des „Flötenkonzerts
". Die italienische Orientierung
schlägt Albert Lang in seinem Entwurf zu
einem Wandgemälde an, der ihn als den Vertreter
des Böcklinkreises legitimiert, nur sind
hier idyllische Anklänge, die an Puvis de Cha-
vannes denken lassen (Abb. S. 157). Von
Marees sind zwei Puttenpaare zu sehen, ungemein
dekorativ gedacht und durchgeführt
(eines davon bekannt von der vorjährigen Se-
cessionsausstellung). Feuerbach ist vorzüglich
durch ein „Römisches Mädchen mit Tamburin
" (Abb. geg. S. 149) vertreten, das an
seine bekannte „Römerin" erinnert, trotzdem
es in den unteren Partien unbeendet ist. Das
„ Pastorale" (Abb. S. 150)hatden ganzen Schwung
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