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WILHELM TRÜBNER f
Am 21. Dezember ist Wilhelm Trübner ganz
/"V unerwartet einem Herzschlag erlegen. Mit
ihm ist einer der besten, kernigsten deutschen
Künstler unserer Zeit dahingegangen, dessen
Schaffen ganz und gar deutscher Tradition
entsprossen und mit deutscher Ehrlichkeit und
Tatkraft durchtränkt war.
Er entstammte einer Kunsthandwerkerfamilie
und war am 3. Februar 1851 zu Heidelberg
als Sohn eines wohlhabenden Goldschmiedes
geboren. In den Jahren,
da andere noch in der
Entwicklung begriffen
sind, schuf er, nachdem
er kurze Zeit als Schüler
von Canon und Diez
sich herangebildet hatte,
im Verein mit dem damals
noch unerkannten
Kreise der Leibi,
Schuch und Thoma
Werke von seltener
Vollendung, die heute
den Stolz unserer Galerien
bilden.
Ja, seine im Beginn
der siebziger Jahre
entstandenen Porträts
(Bürgermeister Hoffmeister
, Bildnisse der
Eltern), seine Genrebilder
(Auf dem Kanapee,
Pfingstrosen, Im Heidelberger
Schloß) und
seine Landschaften zeugen
von einer Meisterschaft
, die einem weniger
zielbewußten Künstler leicht hätte gefahrdrohend
werden können. Trübner jedoch begnügte
sich nie mit dem Gegebenen; seine
schöpferische Kraft, sein sachliches Streben
und seine gesunde Lebensanschauung ließen
ihn niemals in das Schlepptau einer Kunstrichtung
oder einer über ihn Gewalt bekommenden
Persönlichkeit geraten, sondern wiesen
ihn zu einer erstaunlichen Selbständigkeit,
der er, manche Klippen glücklich umsegelnd,
zeitlebens treu geblieben ist.
Nach glücklichen Jahren kongenialer Kameradschaft
mit Leibi und Schuch in München,
Wir verweisen auf die von uns früher gebrachten größeren
Aufsätze über Trübner: Maiheft 1902 und Februarheft 1911.
Die Schriftleitung
löste sich der Kreis auf und Trübner, dessen
Höchstleistung im Porträt der Frühzeit das
Berliner Schuch-Bildnis von 1876 darstellt,
wandte sich, wohl durch Feuerbach in Heidelberg
angeregt, vielfigurigen und mythologischen
Themen zu. Sein gesunder Blick jedoch für
die wahre Form und sinnliches Erfassen der
farbigen Erscheinung führten ihn bald wieder zu
Darstellungen, in denen er seinem Strebennach
Vereinfachung und künstlerischer Geschlossenheit
stärkeren Ausdruck
verleihen konnte. Die
lange Reihe der Landschaften
vom Chiemsee
, dem KlosterSeeon,
aus dem Taunus, dem
Odenwald und vom
Starnberger See zeugt
von dem schlichten und
durchaus sachlichen Erfassen
der Natur und
dem Bemühen, seine
Palette immer farbiger
zu gestalten. Die Freilichtmalerei
läßt ihn
dann schließlich in den
Bildern des Stiftes Neuburg
bei Heidelberg
(1913) und in den bekannten
Reiterbildnissen
zu monumentaler
Größe und einer wuchtig
-genialen Pinselführung
gelangen.
Temperamentvoll tritt
er allen fremden Einflüssen
entgegen und
entwickelt auch mit der Feder seine künstlerischen
Ansichten in klarer, unzweideutiger
Weise, die, in einem Bändchen „Personalien
und Prinzipien" (bei B. Cassirer 1907) gesammelt
, zu einem den Kampf mit aller Nachahmungskunst
und überhebenden Kritiklosigkeit
— unter der er und sein Freundeskreis
lange genug hatte leiden müssen — aufnehmenden
Glaubensbekenntnis wird.
Als Lehrer hat Trübner, ohne eine direkte
Schule in seinem Sinne heranzubilden, jahrzehntelang
in Frankfurt und Karlsruhe segensreich
gewirkt und somit unserer Kunst in jeder Beziehung
das Beste gegeben, indem er als Mensch
wie als Künstler vorbildlich gewirkt hat und
in seinen Werken fortwirken wird. k.sch.
Phot. Ad. Elnain, Wiesbaden
160
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