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GEORG BROEL
WALDRAND (BLEISTIFTZEICHNUNG)
sichersten Sinn für Stattlichkeit der Wirkung hatte.
Aus dem 17. Jahrhundert sind unter der flämischen
Malerei besonders einige Skizzen vonRubens bemerkenswert
. Man hat ja von jeher seine Skizzen hochgeschätzt
, aber ganz nach Verdienst werden sie doch
erst von uns Heutigen gewürdigt, die wir dem großen
Meister nicht mehr etwaige „Zeichenfehler" philiströs
nachrechnen, sondern nur auf die geniale Freiheit
seiner Auffassung und Behandlungsweise sehen.
Das Hauptkapitel der Gemäldesammlung ist die
holländische Schule, die in schöner Vollständigkeit
zusammengebracht wurde, so daß die Hauptmeister
alle mit sicheren und charakteristischen Werken
vertreten sind. VonFrans Hals finden wirdrei Stücke,
darunter ein selbst für ihn ungewöhnlich geistreiches
Kinderbildnis, von Rembrandt einen künstlerisch
wie menschlich gleich tief aufgefaßten weiblichen
Studienkopf. Die Landschaften, Tier- und Sittenmaler
von großem Namen sind fast alle mit qualitätsvollen
Arbeiten vertreten, die sich durch scharfe
Ausführung auszeichnen; ich möchte darunter besonders
die kleinen Landschaften von Hobbema
hervorheben, von denen die Wassermühle ein hervorragendes
Beispiel der Kunst dieses ausgezeichneten
Landschafters ist, ein eleganter Terborch ist eines
der jetzt so seltenen Genrebilder dieses überaus geschmackvollen
Malers, der mir wesentlich besser und
feiner als der jetzt so hoch geschätzte Delfter Ver-
meer zu sein scheint, von hinreißender Kraft des
Humors ist die trunkene Gesellschaft von Jan
van Steen. Karl Voll f
NEUE KUNSTLITERATUR
Glaser, Curt. Edvard Münch. Berlin,
Bruno Cassirer. M. 12.—. — Als Münch im
Jahre 1892 in Berlin auftrat, entfesselte er einen
Sturm, der zu einem Gewitter um die neue Kunst
wurde. Die Ausstellung mußte nach wenigen Tagen
geschlossen werden. In dem nun folgenden Streit
der Gemüter ging der Künstler unbeirrbar durch
Lob oder Tadel seinen Weg und hat sich bis in
die Jahre der Reife den machtvollen Willen und
die Kraft sich stets steigernder und wandlungsfähiger
Produktionsfähigkeit bewahrt.
Die Entwicklung dieses nunmehr überall anerkannten
Meisters in ihrer absoluten Selbstsicherheit,
die sich, unbekümmert um die ihn umtosenden
Meinungsäußerungen,in dem erhabenenKampfe eines
mit sich selbst ringenden Genies offenbart, entrollt
uns diese erste größere Monographie. Curt Glaser
versteht es durch seine fesselnde Schreibweise, den
Leser sofort in den Bannkreis dieser einzigartigen
Persönlichkeit zu ziehen, um uns über Münchs Kunst
hinaus auf das wildbewegte Feld einer mit treffenden
Worten geführten Diskussion über die modernen
und modernsten Kunstströmungen zu geleiten. Das
in begeisterter Sprache verfaßte Buch gewinnt noch
durch den Reichtum aktueller Fragen, die zwar,
von einer bisweilen zu persönlichen Hingabe an
den behandelten Künstler beseelt, nicht unwidersprochen
bleiben werden, aber infolge ihrer lebendigen
, vor keinem Hindernis zurückschreckenden
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