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Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 37. Band.1918
Seite: 242
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GUIDO RENI

VENUS UND AMOR. GEMÄLDEGALERIE, DRESDEN

nachgewiesen worden ist, auf ältere Darstellungen
und zwar auf zwei der gefeiertsten Werke
der italienischen Renaissance zurück: auf Tizians
Schlacht bei Cadore und auf die Mittelgruppe
in Leonardos Schlacht bei Anghiari.

Daß sich Böcklin auch mit Tizian selber und
den anderen großen Venezianern des 1 P.Jahrhunderts
in seiner Jugend befaßte, ist bei einem
Altersgenossen von Feuerbach, Karl Hausmann,
Henneberg, Viktor Müller und Canon, einem
Künstler, der sich zudem als Kolorist und als
Landschafter insbesondere fühlte, selbstverständlich
. Offenbar geht der altmeisterliche Ton
mehrerer Gemälde, die in Weimar um 1860 entstanden
sind, wie das der „Venus, die den Amor
entsendet", das des kleinen Selbstbildnisses im
Nachlaß, der Bildnisse des Sängers Wallen-
reiter und der Tragödin Janauschek, auf das
Studium der Venezianer in der Dresdener Galerie
zurück. Von der Venus hat das schon Schick
vermutet. Böcklin fuhr vor seinem Amtsantritt
in Weimar mit Begas nach Berlin und scheint
bei dieser Gelegenheit der Dresdener Galerie
einen längeren Besuch abgestattet zu haben.

Auch der Vorwurf eines Bildes, das in jener
Zeit entstanden ist, der des „Anachoreten" in
der Schackgalerie, dürfte von einem Gemälde
Tizians angeregt sein, nämlich von dem wundervollen
„Hieronymus" in der Brera. Böcklin
wird das Bild auf der Durchreise nach
Rom und von Rom öfters, zuletzt noch 1857
bewundert haben. Eine erste Fassung des
Anachoreten ist 1860 kurz vor Weimar, die der
Schackgalerie kurz nachher, 1863 in Rom entstanden
.

Aus Schick wissen wir dann, daß gegen Ende
der sechziger Jahre in Böcklins Gesprächen die
Erinnerung an Tizians „Himmlische und irdische
Liebe" immer wieder auftaucht. Wo er
über den Meister überhaupt spricht, braucht er
dies Bild als Beispiel. Dieses hat denn auch
in seinem Werke eine Spur hinterlassen. Wir
bilden das Gemälde auf S. 241 ab. Es befand
sich vor dem Kriege mit einem Gegenstück
in römischem Privatbesitz und gehörte mit
diesem zu einer Anzahl von kleinen, nicht zum
Verkauf bestimmten Arbeiten, die R. Schick
im Mai 1866 im römischen Atelier Böcklins
vorgefunden und sich aufnotiert hat. Die Figuren
sitzen in einer Landschaft, die hell im
Frühlingslichte schimmert. Die Anlehnung Tizian
springt in die Augen. Nicht minder auffallend
ist es aber, wie Ausdruck und Form
unter Böcklins Händen moderner, persönlicher,
fast könnte man sagen nervöser geworden ist.
Tizians Figur wirkt mit ihren normalen Formen

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