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Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 37. Band.1918
Seite: 252
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WILHELM GERSTEL WEIßLICHE FIGUR

Kunsthalle, Mannheim

WILHELM GERSTEL

KNABENAKT

WILHELM GERSTEL

Ueber den ungeheuren Wall der deutschen
und französischen Front, über zwei Reihen
von Haß und aufgewühlter Kraft müssen die Gedanken
klettern, wenn sie ihn erreichen wollen.
Ich habe den Pack Photographien nach seinen
Arbeiten und seinen Zeichnungen wieder durchgesehen
und möchte mich bedanken, nicht mehr
und nicht weniger. Die ganze Schar seiner Gestalten
ist an mir vorbeigezogen, ich habe in
ihnen gelesen wie in einem Tagebuch, es kam
mir beglückend zum Bewußtsein, daß Kunstmachen
bekennen heißt und verewigen. Formen
eines besonders gearteten Wesens, Empfindungen
, die ihrer Anlage oder Intensität nach vorübergehend
waren und sein mußten wie der
Ablauf des Lebens, sind in ihnen verkörpert,

losgelöst von dem, der sie hatte, führen sie nun
ihr eigenes Leben. Aus dem Nacheinander ist
ein Nebeneinander geworden, der Begriff der
Zeit,der quälendste, den dieMenschen erfunden
haben, ist aufgehoben, und ich genieße vielfältige
Gegenwart.

Ich denke an die Zeit an der Karlsruher Akademie
, an die Zeichenschule bei Schmid-Reutte,
in der wir gemeinsam mühselig die Konturen
von Akten zu Papier brachten. Wir hatten es
nicht leicht in der Schmid-Schule, und wenn
ich heute über Schmids Lehren nachdenke, finde
ich, daß er viel verlangt hat von uns jungen
Leuten: die ganze Erscheinung und Oberfläche
der Natur zu verachten und nur das eine, die
Konstruktion, das Gerüst zu sehen und wieder-

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