Universitätsbibliothek Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 37. Band.1918
Seite: 314
(PDF, 124 MB)
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adolf thomann

pferdeschwemme

dann auch um den Kopf so manches Museumsleiters
ernstlich bang sein, auf der schwarzen
Liste gewisser Blätter stehen sie längst schon
obenan. Nun braucht man solchen Auslassungen
, durch die der edle Zorn des deutschen
Volkes gegen die Anschläge unserer Feinde
zittert, nicht weiter gram zu sein, aber ob es
nicht doch endlich an der Zeit ist, die Linie
des Bekämpfens, des Verneinens zu verlassen,
ob nicht viel bedeutsamer die Fragestellung
ist, was denn unserer Kunst wohl fromme?
Wo soll sie, wenn ihr mit dem Frieden die
Zeit neuen, frohen Schaffens wiedergekommen,
anknüpfen, in welcher Richtung ausbauen?
Soll sie in der Weise der Impressionisten,
gleichgültig gegen den Inhalt des Bildes, gewählte
, in silbriger Luft geläuterte Farben zu
Harmonien mischen, die wie Austern auf der
Zunge des Feinschmeckers vergehen, soll sie,
mit feinmalendem Pinsel die Natur abschreibend
, Kabinettstücke schaffen, die des beschaulichen
Sinnes Entzücken bilden? Nun,
die Sehnsucht einer Zeit, die seit über drei

Jahren in ihren Grundfesten zittert, vor der
die Zukunft immer noch drohend, dunkel, ungewiß
liegt, geht vor allem nach dem Breiten
und Ruhevollen, geht nach Klarheit, Ordnung,
Festigkeit, und hierhin weist auch der Herzschlag
unserer Kunst. Schon vor dem Kriege
war zu erkennen, daß die Malerei der großen,
feierlichen Haltung, daß die monumentale
Kunst einem neuen Zeitalter entgegengeht,
das wird später, wenn die Völker, aufatmend
und dankbar, ihren gefallenen Helden Denkmäler
errichten, Ehrenhallen ausschmücken
werden, noch deutlicher werden.

Den Schweizer Adolf Thomann, dem diese
Zeilen gelten, kann man nicht zu den monumentalen
Malern rechnen in dem landläufigen
Sinne, der an bemalte Wände denkt. Es wird
vielleicht niemals Fresken von ihm geben, die
Art dieses Allemannen ist schwer und bedachtsam
, er gehört nicht zu den leichtschaffenden
Malern, denen die Bilder zu Dutzenden gelingen.
Thomann ist Tafelmaler; aber bedarf denn
wirklich die Malerei, um groß zu wirken, der

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