http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_37_1918/0364
Höhe und Reife zeigen ihn dann die 1915 gemalten
„Schafe vor dem Stalle" (Abb. S. 319),
die „Schafschur" und der „Zirkusschimmel".
Die Gesetzmäßigkeit, Klarheit und Fertigkeit
dieser Kompositionen ist nicht zu überbieten.
Eine Besonderheit Thomanns wird in ihnen
noch deutlich, es ist das Gleichmaß, mit dem
er den Menschen und Tieren seiner Bilder
gegenübersteht, sie sind ihm brüderliche Geschöpfe
der gleichen, von Arbeit und Entbehrung
angefüllten Welt, das gleiche Blut
wallt durch ihre Adern, die gleichen Impulse
lenken ihre schweren, ein wenig trägen Glieder
, wie aus einem Gusse stehen diese Bilder
vor uns da.
Die Schweiz ist sich des wertvollen Gutes,
das sie an der Kunst ihres aufrechten Sohnes
besitzt, wohl bewußt. Thomann ist in den
Galerien von Basel, Genf, Zürich, Winterthur
vertreten. In Deutschland ist er über die
Kreise der Münchener Secession hinaus kaum
bekannt geworden, es liegt das vor allem daran
, daß er, dessen Pinsel bedächtig, dessen
Palette sparsam, dessen Stoffkreis eintönig
ist, kaum in der Lage ist, abwechslungsreiche
Ausstellungen, die von Stadt zu Stadt wandern
, aufzubringen. Möchten dieseZeilen seine
spröde, aber nahrhafte Kunst unseren Kunstfreunden
näher bringen!
Ernst Gosebruch
adolf thomann
eng adiner dorfplatz
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