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Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 37. Band.1918
Seite: 358
(PDF, 124 MB)
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http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_37_1918/0406
schleudernden jugendlichen Zeus, scharf nach
allen Seiten umrissen, eine glänzende Darstellung
für die Idee des Denkmals und ganz
ausgezeichnet aus den Bedingungen des Platzes
heraus gelöst. Diese Gestalt hätte in ihrer
klar erkenntlichen Funktion den Denkmalsplatz
beherrscht und sich glänzend gegen die
unruhige Umgebung von weitem abgehoben.
Das Wesentliche des Denkmals konnte nur
die Plastik sein. Die Architektur tritt ihr
gegenüber bescheiden zurück, um jeden Wettbewerb
mit dem Blitzeschleuderer zu meiden.
Ein schlichter runder Sockel in einem schmucklosen
Brunnenbassin.

Netzers Entwurf wurde erst an zweiter
Stelle prämiiert, und zur Ausführung wurde die
Arbeit des Bologneser Bildhauers Giuseppe
Romagnoli bestimmt: Man denke sich auf
dem Denkmalsplatz ein sechs Meter hohes
und achtzehn Meter breites Kanapee, das den
Besuchern des Museums die kahle, ungegliederte
Rückwand zeigt und den einmündenden
Seitenstraßen eine unklare Steinmasse.
Mitten auf dem Kanapee dann eine alte Dame.
Ihr zu Seiten ein Knäuel junger Frauen. Was
das alles soll? „Die internationale Telegraphie

vereint die Seelen der Völker." Das wird
zwar von vornherein nicht ganz klar. Der
Italiener setzt daher auch auf Tafeln die Namen
der einzelnen Staaten „zu seiten der Zentralfigur
, welche die Telegraphie im Geiste und
die Union im Ausdruck darstellt". Da aber
die Tafeln nicht völlig Klarheit über die Idee
des Denkmals schaffen, sollten, um das Kanapee
herumlaufend, „Drähte und Isolatoren auf die
Bedeutung hinweisen", wie es im Erläuterungsbericht
des Künstlers heißt. „Es schien mir
auch, daß so das Projekt, ohne an Klarheit
zu verlieren, an poetischem Ausdruck sowohl
als an künstlerischem und plastischem Effekt
gewinnt." Mir aber fällt bei der Gelegenheit
ein kluges Wort von Adolf Hildebrand ein:
„Es ist bezeichnend, daß mit der Unfähigkeit
für die architektonische Weiterentwicklung des
Imitativen sich das dunkle Gefühl einer künstlerischen
Unzulänglichkeit einstellt und dann
dieser Mangel durch stoffliche Beimischung,
durch tiefsinnige Bedeutung usw. ersetzt werden
soll. Diese soll das Werk in eine höhere
poetische Region erheben. Es ist jedoch klar,
daß die bildende Kunst die Poesie nicht anderswo
borgt oder so zu sagen nur illustriert. Ihre

HUBERT NETZER

GRABMAL DER FAMILIE AUGUST BAGEL, DÜSSELDORF

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