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Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 37. Band.1918
Seite: 380
(PDF, 124 MB)
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deutsche Malerei" sich eingehend mit maltechnischen
Problemen beschäftigt hat. Vor
seinen Landschaften indes wird man völlig
von der Stimmung umfangen. Man träumt in
die menschenleeren Bilder, sobald man sich
ihrer melancholischen Stimmung bewußt geworden
, leicht Gestalten hinein, die in ihrem
Wesen mit der Natur einig gehen. Werthers
wehmütiger Schatten scheint durch diese Landschaften
zu streifen. Aus diesen romantischen
Wildnissen glaubt man ossianische Gesänge zu
hören. In der Einsamkeit dieser Wälder müßte
man Adalbert Stifter lesen, dessen einsiedlerische
Natur der des Malers verwandt ist und
der mit ihm die seltene Gabe teilt, aus vielen
Einzelzügen, die er beibringt, einen großen,
starken Gesamteindruck aufzubauen.

Indessen ist es nicht an dem, daß Steppes literarische
Landschaften malte. Sein Naturgefühl
ist zweifellos ursprünglich und ganz malerisch.
Uebergroße Liebe zur Natur veranlaßt ihn zu
Uebertreibungen, Uebertreibungen aber machen
das Wesen der Kunst aus. Georg Jacob Wolf

WESEN DES DEUTSCHEN
UND FRANZÖSISCHEN
KLASSIZISMUS

Das Problem des Klassizismus ist ein anderes
bei den Nordländern, ein anderes
bei den Romanen. Den Italienern, um das
eigentliche Kunstvolk der Renaissance zu nennen
, steckt die klassische Form im Blute:
für sie ist höhere Kunstform und antikische
Form eins; sobald sie zum Bewußtsein erwachen
, steht die „Renaissance" da (Niccolo
Pisano im 13. Jahrhundert). Sie stellen die
natürlichen Erben der Griechen und Römer
vor; sie sind klassisch, aber nicht klassizistisch.

Vielmehr gehört zu diesem Begriff noch
der Beigeschmack des Angeeigneten, im Gegensatz
zum Angeborenen des Italieners.

Die Nordländer waren niemals Diesseitsmenschen
und konnten deshalb keine direkte
Beziehung zur Antike finden. Noch ihre entwickeltste
Kunst, die Gotik, ist eine abstrahie-

edmund steppes

jura-bächlein

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