http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_37_1918/0475
hermann hahn
elegie (eisen) hermann hahn
Aasstellung 1918 der Münchner Secession
weibl. studie (eisen)
II. DIE SECESSION
Auch in diesem Jahr hat die „Secession"
einen Monumentalsaal eingerichtet, aber er
ermangelt des starken Klangs, der im Vorjahr
von dem Sturmbilde des Tirolers Egger-Lienz
und von den schönen Arbeiten des Berliners
Willi Jäckel ausging. Was Egger-Lienz heuer
zu zeigen hat, ist weit matter und grenzt, in
der unbesorgten formalen Ausbeutung seines
vorjährigen Erfolges, an Manier. Leo Putz
als Monumentalmaler mit einer „Panik" will
mir nicht recht eingehen; seine Aktmalerei
verlangt Intimität, wie man sie in vorbildlicher
Selbstbeschränkung bei Hugo v. Habermann
antrifft, der heuer einer künstlerisch überaus ergiebigen
Ernte sich rühmen kann (Abb. S.425).
In den Monumentalsaal zurückkehrend, stellt
man die Rokokofreudigkeit fest, mit der Hü-
thers große dekorative Bilder gemalt sind: es
ist nicht Rokoko im Motiv, wohl aber in der
freudigen Bejahung des Lebens und alles Lebendigen
. Einige kleine Bilder des gleichen Künstlers
, namentlich die Bildnisse von Negerinnen,
gewähren Einblick in sein intimes Schaffen
und in seine saubere Technik. Egon Schieles
großformatige Bilder erinnern mit ihrem slawischen
Einschlag stark an die Erzeugnisse der
Wiener Werkstätten: überkultivierter, fast dekadenter
Geschmack, kunstgewerblich ausgemünzt
. Auch Winternitz ist unter die Monumentalen
gegangen, sein „Parsifal" ist indessen
nicht ohne einige Gezwungenheit und man hält
sich lieber an eine frühere Arbeit des Künstlers
wie die „Andacht" oder an die im Ausdruck
auf den Münchner Impressionismus
gestimmten Bilder wie den „Sommertag". Eine
neue Erscheinung in dieser Umgebung ist Fritz
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