Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 38. Band.1918
Seite: 17
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EINE BRUNO PAUL-MONOGRAPHIE*)

Unter den gestaltenden Künstlern, die im letzten
Jahrzehnt vor dem Kriege den Ruhm deutschen
Schaffens in die Welt trugen, und die sich
mit genialer Kraft darum mühten, den großen
deutschen Stil zu finden, steht Bruno Paul in erster
Reihe. So interessant seine Entwicklung und so
lehrreich seine Anfänge, so stolz stellt sich seine
Meisterschaft dar. Im Gegensatz zu manchem
Mitstrebenden hat sich Paul nie in Manier und in
eine Düsternis verrannt, die von den allerneuesten
kritischen Bonzen als letzte Offenbarung ausposaunt
wurde und doch in Wahrheit oft mehr krampfiges
Getue als lächelnde Kunst war. Allen seinen
Schöpfungen wohnt, auch wenn sie ins Gewaltige
wachsen, jene heitere Grazie inne, die auf den ersten
Blick gefangen nimmt. Paul ist der Mann echt
germanischer, kraftvoller Anmut; das weise Schiller-

*) Bruno Paul. Ein Album mit 310 Abbildungen in Mattdruck
, 4 farbigen Beilagen und 5 Mezzotinto-Tafeln. Von Dr.
Josef Popp. — Verlag F. Bruckmann A.-G., München. Geb. 30M.

wort paßt auf ihn wie auf keinen zweiten Bildner.
Stark in der Grunderfindung, ohne Theaterwucht,
verschwenderisch in geistvollen Einzelheiten, ohne
überladen zu sein — so stellen sich seine Bauten
dar. Das Raum-Innere stattet er mit der neu erwachten
, eifrigen Handwerksliebe aus, die unsere
alten Werkkünstler so hoch über den folgenden
Jahrhundertsdurchschnitt stellten und die in Wahrheit
der beste Beweis für echtes Künstlertum ist.
Man muß sich eingehend in diese Fülle der Erscheinungen
versenken, in all den quellenden Reichtum
seines Schaffens, um den gedanklichen und technischen
Hochstand seiner Leistungen nach Gebühr
würdigen zu können. Paul hat durch seine künstlerischen
Taten allerlei fremdländischen Geschmack
in verhältnismäßig kurzer Zeit entscheidend besiegt
und uns von der Pariser Vorherrschaft glücklicher
befreit, als die Freunde deutscher Kunst je
hoffen durften. Möge ihm und uns seine Muse weiter
hold sein!

Dekorative Kunst. XXI. i. Oktober 1917

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