Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 38. Band.1918
Seite: 25
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MÜNCHNER PLAKAT-KUNST

Es scheint keine Verständigung möglich in
der grundsätzlichen Auffassung vom Wesen
des Plakats bei den Münchner und bei den
Berliner Plakatkünstlern. Für die Berliner
hat Julius Klinger im Werkbund-Jahrbuch von
1913gesprochen. Seine Ausführungengipfelten
darin: „Heute, wo wir ganz nüchtern sind,
wissen wir, daß die Reklame routinierte Fachleute
und Handwerker verlangt, und daß der
Künstler mit Idealen in dieser Angelegenheit
nicht mehr mitzusprechen hat." Es kann
nicht in Erstaunen setzen, daß bei solchen
Grundsätzen das Berliner Plakat — von den
Arbeiten einiger führender Männer abgesehen
— herunterkommen mußte. Paul Westheims
scharfe Formel „Pauspapier und Tangoschie-
bung", die mit energischer Geste den industrialisierten
Betrieb der Berliner Plakatfabrikation
abtat, klingt noch im Ohr.

Das Wesen der Münchner Plakatkunst wurde
uns — gleichsam als Manifestation gegen Julius
Klinger — in einer
übersichtlich angeordneten
und künstlerisch
recht ergiebigen Ausstellung
, die wenige
Wochen vor Kriegsbeginn
im Ausstellungsparkauf
der Theresien-
höhe eröffnet wurde,
offenbart. In dem Nebeneinander
aller in
München auf dem Gebiet
der Plakatkunst
wirksamen Kräfte zeigte
sich die lokale Gemeinsamkeit
in Daseins
- und Ausdrucksform
. Diese Gemeinsamkeit
ist stärker als
die Differenzierung
durch den Persönlichkeits
- Ausdruck, ob-
schon der Weg von
Th.Th. Heine zu F. R.
Glaß und von Hohlwein
zu Preetorius
oder Schwarzer manche
Bezirke graphischer
Möglichkeiten
durchmißt. Das Gemeinsamkeitsmoment
wird einem besonders
bewußt, wenn man der

gesamten neueren Produktion Münchens die
gesamte neuere Produktion Berlins gegenüberstellt
. Da ist es erstaunlich, wie auch
auf dem Gebiet des Plakats, das doch sicherlich
nur ein winziges Segment aus dem formgewordenen
Kulturganzen Deutschlands ist,
scharf umrissen jene Gegensätze hervortreten,
die für die kulturellen Spielarten des deutschen
Südens und des deutschen Nordens kennzeichnend
sind. Es lassen sich zwei Kolumnen
aufbauen, die ungefähr so anzuschauen sind:

Berlin:
Organisation
Typus

Massenausdruck

Expression

Zivilisation

M ün ch en:

Freies Spiel

Charakter

Individualismus

Impression

Kultur

Äeffftmsfteaen!

zeichnet

Krieg$an(eifte

ENTW.: FR. ERLER El DRUCK: FR. MAISON, MÜNCHEN

Das nimmt sich, unvermittelt in These und
Antithese, scharf und hart aus, und es wird
wohl in der Praxis nicht an Abschattierungen und

vermittelnden Ueber-
gängen fehlen, aber im
wesentlichen bestehen
diese Gegensätze und
sind durch die stämmische
Eigenart bedingt
. In entsprechender
Weise spiegeln sie
sich auch in dem kleinen
Bezirk, der uns
hier beschäftigt, im
Plakatwesen. Wer besonnen
und voraussetzungslos
ist, wird
sich dieser Gegensätze
freuen, wird nicht die
eine Richtung verwünschen
und die andere
maßlos erheben, sondern
jeder ihre Berechtigung
zubilligen
und zwar in der Weise,
daß er jede in ihren
Wirkungsbereich, in
ihre natürlichen Grenzen
weist. Man kann
es deshalb nicht hingehen
lassen, daß man
von Berlin aus auf
das Münchner Plakat
schmäht und es in seiner
heutigen Erscheinunggering
wertet, daß

Dekorative Kunst. XXI. i. Oktober 1917

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