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ELISABETH LANG BATIK-BLUSE
KUNSTGEWERBESCHULE STUTTGART. ABTEILUNG: BERNHARD PANKOK UND LAURA EBERHARDT
ATZEN DER BATIKARBEITEN AN DER STUTTGARTER
KUNSTGEWERBESCHULE
Der Anfänger im Batiken ist erfreut und
überrascht über den Farbenreichtum, der
sich durch einfaches Uebereinanderfärben verschiedener
Töne erzielen läßt. Da entsteht
auf Gelb durch Blau erst ein gelbes, durch
ein weiteres Eintauchen ein blaues Grün, auf
Rot, Blaurot, — Violett usw. — eine große
Mannigfaltigkeit. Wer aber lange batikt, sehnt
sich für seine Arbeiten doch auch nach kontrastierenden
Farben, die sich gegenseitig heben
und beleben. Gern hätte man auf einer
grünen Arbeit auch ein paar rosa oder ein
paar rotviolette Tupfen. Die lassen sich zwar
erzeugen, indem man diese Stellen auf dem
weißen Stoff mit Wachs deckt, grün färbt,
das Wachs abbügelt, den Stoff in Benzin auswäscht
, nun die grünen Stellen mit Wachs
deckt und rosa färbt; dies ist aber eine sehr
umständliche, auch kostspielige, wenig lohnende
Arbeit. Die Javanin macht es bei ihren blauen
und gelbbraunen Batiks anders. Während wir
unsere Stoffe möglichst von aller Appretur
befreien, damit gewiß das Wachs den Stoff
durchdringt, gleichzeitig die Kehrseite deckt
und nicht zu rasch abbröckelt, appretiert die
Javanin ihren Baumwollstoff leicht mit Reisstärke
und versieht die Arbeit von beiden
Seiten mit einer dicken Wachsauflage, das
Wachs haftet dadurch nur auf der Stoffoberfläche
. Hat sie nach dem ersten Wachsdecken
den Teil, der blau und schwarz sein soll, mit
Indigo gefärbt, so deckt sie die blaubleibenden
Stellen mit Wachs und kratzt an anderen, die
gelbbraun werden sollen, das Wachs mit einem
stumpfen Messer heraus und färbt. Doch auch
diese Arbeitsart ist zu zeitraubend.
Sehr einfach dagegen ist das Aetzverfahren,
das ich an unserer Stuttgarter Kunstgewerbeschule
eingeführt habe und das meines Wissens
sonst noch nirgends beim Batiken angewendet
wird. Es steht ja schon im Zeugdruck, besonders
seit der Verwendung von Hydrosulfit
in großer Blüte. Will man, um bei unserem
einfachen Beispiel zu bleiben, Rosa und Grün
zusammenstellen, so färbt man den ganzen
Stoff rosa, deckt, was Rosa bleiben soll, mit
Wachs, gibt die Arbeit in ein Hydrosulfitbad,
das in kurzem das Rosa zerstört, spült gründlich
Dekorative Kunst. XXI. i. Oktober 1917
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