Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 38. Band.1918
Seite: 130
(PDF, 105 MB)
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http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_38_1918/0164
her erdachten
Entwürfe mit
flinker Phantasie
anzupassen
weiß.
In all dem ist
Rümelin wohl
der einzige in
Deutschland.
Alle andern

entwerfen
Stuck nur für
Handwerker,
und deshalb
fehlt meist
dasLetzteund
Feinste: das
vollständige
Auf- und Zusammengehen
mitdemarchi-
tektonischen
Werk. Man
ersieht daraus
den innigen
Zusammenhang
von
Kunst und

Handwerk
und versteht
Rümelins Eifer
für das
material- und
technisch-gerecht
gearbeitete
Kunstwerk
— nicht
aus übertriebenem
Materialkult
, sondern
dem stilvollen
Ganzen
zuliebe.

Eine besonders
virtuose Leistung bietet die Deckenfigur
im Bibliothekzimmer des Münchener Polizeipräsidenten
: sie ist nur aus Aschkalk und
grobem Sand ohne Gips- oder Zementzusatz
aufgetragen, also wie ein Mauerputz behandelt
. Da gute Stukko-Arbeit haltbar wie
Stein wird, wäre es sehr zu wünschen, daß
die Stucktechnik wiederum mehr in Verwendung
käme. Sie war schon bei den Assyrern
im Gebrauch, schuf köstliche Stücke in der
byzantinischen und mohammedanischen Kunst,
war in der romanischen Kunst für Relief und
Freiplastik verwendet und erreichte im Barock
und Rokoko für beide einen erstaunlichen Höhepunkt
. An diese
vornehme
Ahnenreihe
darf sich Rümelin
durchaus
anschließen
.— Er beherrscht
in

ähnlicher
"Weise auch
den Stein.
Die Steinplastik
war im
19. Jahrhundert
wie alle
Technik heruntergekom
men
.DieBild-
hauer wurden
zu Modelleuren
, die ihre
Tonarbeiten
demHandwer-
ker zur Ausführungüber
gaben
. Wohl
hat Hildebrand
durch
sein „Problem
der
Form" die

Modernen
wieder in
Stein denken
und fühlen
gelehrt, aber
auch er arbeitet
so wenig
wie die meisten
unserer
ersten Bildhauer
selbst
in diesem
Stoff. So bleiben
die letzten Möglichkeiten unausgeschöpft,
und man wagt sich nur zaghaft und mit
zweifelhaftem Erfolg an Neues. Rümelin beherrscht
die verschiedensten Steinarten aber
nicht bloß äußerlich, er weiß auch, ihr Leben
und ihre Poesie erstehen zu lassen und sie
am richtigen Platz zur Geltung zu bringen.
Welche Unterschiede liegen diesbezüglich in
den Marmorreliefs für einen Kamin, in dem
Kariatydenkind aus Kalkstein und in den kraftvollen
Traubenträgern aus Muscheltraß; wie
mächtig erscheint die breitgelagerte Gestalt
des Anakreon. Hier wagte der Künstler mit
deutschem Travertin den ersten Versuch, in

W. .NIDA-RÜMELIN u>Z. AUSSCHNITTE AUS DEM STUCKFRIES (vgl. S. 129)

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