http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_38_1918/0167
NIDA-RÜMELIN-MÜNCHEN-
LÖWIN
einem bisher noch nicht für figurale Arbeiten
benützten, großlöcherigen Material und, wie
das Werk zeigt, mit vollem Erfolg. Allen diesen
Arbeiten eignet originelle Erfindung und höchste
dekorative Wirkung. Aus einer leichtbeschwingten
Phantasie haben alle seine Motive
etwas natürlich Sprechendes und halten sich
frei von geistreichelnder Quälerei, erquicken
Sinn und Geist zugleich.
Von Rümelins Holzarbeiten seien als
originelle Leistungen zunächst genannt die
Türfüllungen der vier Temperamente, die er
ohne Modell, nach kleinen Skizzen aus Eiche
geschnitten hat. Ist hier aus der Anpassung
an die umgebende Steinrahmung vor allem
das Geschlossene und kraftvoll Gedrungene
des Stoffes ausgenützt, so läßt Rümelin in
einem Treppengeländer das Breitspurige, Zügige
und Behagliche des Holzes sprechen.
In einem Raum, dessen Tapeten krabbeln und
kribbeln, sollte die Türfüllung dieses Motiv
auf ihre Weise aufnehmen. Daraus gewinnt die
Schnitzerei einen durchbrochenen und dünnen
Charakter, wie er außer in Metall nur in Holz
möglich wird. Geistreich im besten Sinne
schließt sich die Erfindung an: um eine kokette
Schöne bemühen sich begehrliche und
platonische, eifersüchtige und selbstgefällige,
scheue und aufdringliche Liebhaber. Nicht
so fast, daß es Affen sind, gibt dem Liebesspiel
einen satyrischen Zug, als vielmehr der
Kontrast ihrer Körper und strähnigen Felle zu
dem ringelnden Weingerank und dem leichten
Gelock der Trauben.
Für Metall hat Rümelin mehrere Plaketten
geschaffen. Eine der wirksamsten bezieht sich
auf den gegenwärtigen Weltkrieg. Sie zeigt
den Tod als wilden Geißelschwinger über der
niedergetretenen Menschheit, die ein klagendes
„Wie lange noch?" emporruft. Wohl eine
der besten unter den zahllosen Gedenkmünzen
derart, ist sie am wenigsten gekannt. Unsere
Sammler und Händler haben dem billigen
Stück gegenüber erst noch die Pflicht der
Qualitätsförderung zu erfüllen.
Zum Schluß ein Wort über den Maler Rümelin
. Als wesentlich dekorativ interessierter
Künstler ist Rümelin Wandmaler und als echter
Nachfolger der Alten: Freskomaler. Ostwald
hat gerade diese Technik in seinen Malerbriefen
als die minderwertigste gebrandmarkt;
allerdings ohne die kunstgeschichtlichen und
ästhetischen Voraussetzungen für ein solches
Urteil zu erfüllen. Gutes Fresko geht in jeder
133
http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_38_1918/0167