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Beziehung mit
der Architektur
die innigste Verbindung
ein und
hält länger als
irgend eine andere
Wandmalerei
. Was man
ihr an Unzuver-
lässigkeit nachsagt
, beruht auf
ungenügender
und falscher Behandlung
. Diese
erfordert höchste
Sorgfalt in
der Auslaugung
des Mauergrundes
, der Farb-
schlemmung,
der Kalk- und
Mörtelbereitung
— außerdem ein
höchst gewandtes
und sicheres
Arbeiten und
eine wenigstens
zehnjährige Erfahrung
. Deshalb
erachtet sich
Rümelin hierin
nochnichtso voll
bewandert als in
den bildhauerischen
Techniken
. Er darf aber
jetzt schon als
der bezeichnet
werden, der sie am besten versteht. Seine
Bemühungen um diese noble und höchst stilvolle
Wandbemalung werden natürlich alle jene
nicht anerkennen, die in bequemerer, doch
weniger dauerhafter und charaktervoller Art
mit Kasein oder Tempera auf dem trockenen
Wandgrund arbeiten. Seine umfangreichste
und reifste Schöpfung in dieser Art gab Rümelin
an der Außenseite der Stuttgarter Markthalle
. Sie anerkennt durchaus die bauliche
Gliederung, ja schließt sich sogar an das
Dunkelbraun der Ziegel und das Braunblau der
Kupfereinfassungen an. Die Darstellungen
selbst, die sehr anschaulich und stimmungsvoll
den Zweck des Gebäudes versinnlichen,
beleben die Flächen in großornamentalem Zug,
sind ihr ein kraftvoller, harmonischer Schmuck.
Rümelins Sehnsucht geht auf selbständige
dekorative Aufgaben. Da unsere modernen
Bauten in ihrer dekorativen Erscheinung nur
w. nida-rümelin 0 skizzen
markthalle
für fresko-malereien an der
in stuttgart
selten voll befriedigen
, sollten
die Architekten
einen derartigen
Mitarbeiter
mehr als
bisher beschäftigen
, ihm aber
auch die nötige
Freiheit lassen,
wenn er soviel
Geschick und
Takt für die Anpassung
zeigt.
Unsere Künstler
können aus
Rümelins hand-
werklicherTüch-
tigkeit ersehen,
wie eine stilvolle
Arbeit aus
der sachlich und
technisch einwandfreien
Lösung
erwächst
und das Inhaltliche
dem begabten
Künstler
sich hierbei von
selbst ergibt.
Auch in der
Kunst ist das
Natürlicheallein
selbstverständlich
und bleibend
wertvoll.
Joseph Popp
GEDANKEN ÜBER KUNST
Es ist sicher, daß Malerei und Bildhauerei,
wie man sie gewöhnlich auffaßt, sich nicht wohl
befinden und keine Vollkommenheit erreichen können
, wo die verschiedenartigen Künste, die sie
umgeben und die in ihnen gipfeln — die sie gewissermaßen
einrahmen — nicht ebenfalls gesund
und stark sind. Ebensogut kann man erwarten,
daß Blumen ohne Wurzeln und Stengel, ohne Licht,
Wärme und Luft aufblühen, wie das Schöne, Gemälde
und Statuen, oder der Geist, der sie hervorbringt
, da existieren können, wo es keine Schönheit
in den alltäglichen Dingen gibt, keine Quellen harmonischer
Gedanken um uns, keine Freude für das
Auge in angenehmen Farben und Formen der uns
täglich umgebenden Gegenstände.
Walter Crane
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