http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_38_1918/0194
ARCH. L. RUFF-NORNBERG □ MODELL D. ERZBISCHÖFL. SEMINARIEN IN BAMBERG: ANSICHT NACH NORDOST
mit etwas von seiner Eigenart zu nehmen,
sagen, daß er aus der Tradition und der Gesinnung
der architektonisch so hochstehenden
Bamberger Baukunst heraus schuf — in dem
Sinne, in dem z. B. jeder moderne Lyriker
an Goethe anknüpft. Dieser taktvolle Anschluß
und das gleichzeitige Hineinsteigern
des Bauwerkes in unser zeitgenössisches Empfinden
erheben diese Schöpfung aufs glücklichste
über die sehr wenig gelungenen „monumentalen
" Neubauten, mit denen in den
letzten Jahrzehnten nicht allein Bamberg, sondern
noch so viele andere Frankenstädte, die
dank ihrer städtebaulichen Vergangenheit
Besseres verdient hätten, beglückt wurden.
Insofern kommt dem Bau über seinen hohen
individuellen Wert als Einzelleistung hinaus
symptomatische Bedeutung zu: er beweist,
daß ein Architekt selbst unter Berücksichtigung
starr vorgeschriebener Zwecke und bei
allem Spiel der eigenen Gestaltungskraft sich
geschmackvoll dem Bilde einer durch ihre
Ueberlieferung zur Zurückhaltung verpflichtenden
Kunststätte einzufügen vermag, wenn
er über die nötige Summe von Können, Takt
und Geschmack verfügt.
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