Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 38. Band.1918
Seite: 161
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alfred hagel

supraporte

nicht indem man die Grundform immer wieder
umzugestalten versucht, sondern indem
man die Einzelheit, das Schmuckelement persönlicher
Belebung darbietet. Bauern- und
Kinder-Kunst zeigen hier die Pfade, und
allein die systematische Ausbildung von Auge
und Hand, dem Kinde schon geläufig, wird
den Geschmack des nationalen Gesamtkörpers
zu absolut hochwertigen, in ihrer künstlerischen
Harmonie vollgültigen technischen Erzeugnissen
hinaufführen. Ueber die Schranken
rein künstlerischer Eigenliebe reißt, so sehen
wir, der Krieg das Schicksal auch dieser
technischen und handwerklich-industriellen
Ströme in die Sphäre des Planetarischen, wie
Kjellen sagt. Was an gesunden und lebendigen
Keimen vorhanden war, wird bestehen,
bestehen in einem geläuterten Reiche unserer
Schaffensbegriffe. So führt der Krieg, wenn
wir seine Zeichen recht verstehen, hier zu
einem im höchsten Sinne ethischen Ziele —
trotz Blut, Tod und Tränen.

Der von jeglicher Verstiegenheit freie
Idealismus, der alle Schöpfungen des Hamburger
Meisters, seien sie praktisch-künstlerischer
oder reingeistig-literarischer Art, durchglüht
, verbindet sich in dieser Schrift mit der
Kraft des Intellekts und der Schärfe der Beobachtung
— Eigenschaften, die so vielen
programmatisch zugespitzten Monographien
und Flugschriften zu dem Thema „Kunst und
Krieg" fehlen. Möge es ihm vergönnt sein,
Hand in Hand mit den Führern unserer künstlerischen
Arbeiten bald in die Gefilde des
schönen Landes hinabzusteigen, das uns, durch
trübes Gewölk aufschimmernd, in seinen Worten
lockend und fordernd grüßt. E. Haenel

Aber eine Errungenschaft haben wir der
kunstgewerblichen Bewegung doch zu danken:
daß endlich wieder das Gefühl für den einheitlichen
Zusammenhang der Künste wach
wurde. Vorher war alles zerfahren. Wir kauften
Bilder, die uns stofflich anzogen, und
hängten sie planlos an die Wand, obwohl das
Auge ihre Anwesenheit eher als störend denn
als wohltuend empfand. Wir kauften Möbel
und Teppiche, Kissen und Vasen, Statuetten
und Leuchter, die vielleicht im einzelnen
schön waren, aber nebeneinander sich wie
Hund und Katze vertrugen. Heute ist klar
geworden, daß ein solches Zimmer einem
Potpourri gleicht, das die widersprechendsten
Melodien in grellen Uebergängen verbindet,
uns plump und roh aus einer Stimmung in
die andere wirft. Es ist zum Bewußtsein gekommen
, daß jedes Einzelding sich zum Ganzen
zu weben hat, daß jedes Zimmer den
Geist seines Besitzers spiegelt, daß die Kunst
gleich stark wie die Musik auf die seelische
Stimmung einwirkt, und daß wir auf Glück,
auf die feinste Freude verzichten, solange wir
durch die Dinge, die uns umgeben, nicht
unser Leben zur schönen Harmonie gestalten.

R. Muther

Die Art und Weise, wie die Bildfläche begrenzt
ist, wo sie die dargestellten Dinge umzieht
und abschneidet, und welche Linien- und
Flächenverteilung dadurch auf der Bildfläche
entsteht, bildet den Hauptzweig der Schönheit
der Erscheinung und auch der Stimmung eines
Werkes. Schultze-Naumburg

Dekorative Kunst. XXI. 5. Februar 1918

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