Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 38. Band.1918
Seite: 190
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K. K. FACHSCHULE
FÜR
GLASINDUSTRIE
, HAIDA

vierjahreszeiten
-pokal

Kristall mit Gelbätze
u. Glasschnitt

Kunst steckt nicht in der Natur, wie Dürer
, meint, sondern in der Seele des Künstlers
; wer sie aus der Seele heraus kann reißen,
der hat sie. Die Natur ist nicht das Sujet,
das Subjekt, sondern das Objekt der Kunst,
sie ist der Stickrahmen, in den der Künstler
seine Empfindungen und Gefühle hineinwebt.
Sie bietet ihm die Gelegenheit zur Entfaltung
seiner Kraft; in diesem Sinne ist es zu verstehen
, wenn Goethe alle seine Gedichte Gelegenheitsgedichte
nannte; die Natur ist nur
der zufällige Anlaß für den Ausdruck der Empfindungen
des Künstlers, die, wenn er Maler
ist, der Ausdruck seiner ihm innewohnenden
Form sind. Die ihm eigentümliche Form
liegt in ihm von der Geburt an, sie ist die
Urzelle, aus der sich sein Genie entwickelt,

wofür ich freilich keinen anderen Beweis einbringen
kann als den der Notwendigkeit, gerade
so wie Kant das Dasein Gottes nur mit
der Notwendigkeit seiner Existenz bewiesen
hat. Aus dieser Urzelle entwickelt sich die
Form für die Wirklichkeit, sie zwingt ihm das
Bild auf, das er von der Wirklichkeit darstellen
muß. Denn das unterscheidet den echten
Künstler vom Kitschmaler, daß er nicht anders
malen kann als er malt, während der Kitschmaler
malt, wie es die Mode verlangt. Daher
sind alle Regeln und Vorschriften der Aesthe-
tik und kämen sie von der höchsten Autorität
, sinnlos; das Genie wirft sie über den
Haufen, da es sein eigener Gesetzgeber ist
und nur dem Gesetz folgt, nach dem es angetreten
. Max Liebermann

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