Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 38. Band.1918
Seite: 193
(PDF, 105 MB)
Startseite des Bandes
Zugehörige Bände
Varia

  (z. B.: IV, 145, xii)



Lizenz: Public Domain Mark 1.0
Zur ersten Seite Eine Seite zurück Eine Seite vor Zur letzten Seite   Seitenansicht vergrößern   Gegen den Uhrzeigersinn drehen Im Uhrzeigersinn drehen   Aktuelle Seite drucken   Schrift verkleinern Schrift vergrößern   Linke Spalte schmaler; 4× -> ausblenden   Linke Spalte breiter/einblenden   Anzeige im DFG-Viewer
http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_38_1918/0237
UM 1800usät)

Als der Maler Joseph Anton Koch, der
. hohen Karlsschule entflohen, bei Straßburg
den Rhein überschritten hatte und sich
auf dem damals französischen Gebiete in Sicherheit
fühlte, schnitt er sich den satzungsgemäß
getragenen Zopf ab und schickte ihn seinem
Herzog mit einem ironisch-untertänigen Kompliment
zurück und „er habe sich hiermit von
der Tradition losgesagt". Koch bekam dieser
Abbruch mit dem Herkommen wohl, er riß ihn
nach oben, und seinen Spuren folgten und
folgen immer wieder viele: im gänzlichen Aufgeben
der Tradition suchen und finden sie
ihr Heil.

Was indessen solchermaßen für die freien
Künste zu Recht besteht, hat nicht in gleicher
Weise Geltung für die angewandte Kunst, für
Architektur und Kunstgewerbe aller Art. Hier
kann das Gute nur in einem sinngemäßen Ausbau
und in einer den zeitgenössischen Zwecken

*) Die Abbildungen dieses Aufsatzes, ausgenommen diejenigen
auf Seite 200 — 203, welche wir dem Delphinverlag,
München, verdanken, sind dem Werke: ,,Um 1800. Architektur
und Handwerk im letzten Jahrhundert ihrer traditionellen Entwicklung
", herausgegeben von Paul Mebes, entnommen. Verlag
F. Bruckmann A.-G., München. Eine neue Auflage dieses
buches ist in Vorbereitung.

angepaßten Umformung des Ueberlieferten in
seiner besten Gestalt bestehen. Es ist sinnlos,
wenn man die seit Jahrtausenden bewährten,
auf statischen Gesetzen beruhenden Urformen
der Tektonik aus ästhetischer Neuerungssucht
zerbricht, wenn man eine Stadt gewissermaßen
auf den Kopf stellt oder auch nur im kleineren
Rahmen aus Originalitätshascherei alte Formen
ohne Not preisgibt. Besser, man schließt sich
getreu an das Alte an, und hält es wie die in
ihrer sozialen Struktur vorbildliche Volkskunst,
die ohne viel Kopfzerbrechen das Ueber-
kommene weiter ausformt. Damit soll nicht
einer gestaltungsfeindlichen Kopistentätigkeit
das Wort gesprochen sein, sondern man muß
das auffassen, wie es Mebes in seinem Buch
„Um 1800" meint: „Wenn auch die Bedingungen
und Ansprüche, die wir an unsere Häuslichkeit
stellen, heutzutage andere sind als vor
hundert Jahren, so ist doch immerhin der
Unterschied keineswegs so groß, daß wir nicht
in den Schöpfungen der damaligen Zeit, vor
allem was Wohnungsausstattung und besonders
das Mobiliar anbetrifft, in hohem Maße vorbildliche
Anregungen finden könnten. Selbst

GOTHA

SCHLOSZ

Dekorative Kunst. XXI. 7. April 1918

193

26


Zur ersten Seite Eine Seite zurück Eine Seite vor Zur letzten Seite   Seitenansicht vergrößern   Gegen den Uhrzeigersinn drehen Im Uhrzeigersinn drehen   Aktuelle Seite drucken   Schrift verkleinern Schrift vergrößern   Linke Spalte schmaler; 4× -> ausblenden   Linke Spalte breiter/einblenden   Anzeige im DFG-Viewer
http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_38_1918/0237