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STECKENPFERDE □ ENTW. KLASSE PROF. C. O. CZESCHKA
STAATLICHE KUNSTGEWERBESCHULE, HAMBURG
SPIELZEUG AUS DER HAMBURGER KUNSTGEWERBESCHULE
Zu einer Spielzeug-Ausstellung, die der
Frauenklub in Hamburg veranstaltet hatte,
hatten Schüler und Schülerinnen der Staatlichen
Kunstgewerbeschule zu Hamburg, besonders
aus der Klasse des Herrn Professor
C. O. Czeschka, ganz wesentlich beigetragen.
Getreu den Prinzipien der Anstalt, immer mehr
von der Papierkunst loszukommen, waren auch
für dieses Gebiet die Schüler in einem Wettbewerb
für Spielzeug veranlaßt, gebrauchsfertige
Arbeiten einzureichen. Zu diesem
Zwecke standen ihnen sämtliche Werkstätten
der Schule zur Verfügung. Die benötigten
Materialien wurden geliefert. Eine Zeit emsigsten
Schaffens begann, um die Entwürfe
in die Tat umzusetzen. Durch die Handhabung
der Werkzeuge, die zuerst unbeholfen
vor sich ging, die sich aber nach und nach
in glücklicher Weise steigerte, und durch die
Eigenschaften der zur Verwendung kommenden
Materialien mußten die Entwürfe Einschränkungen
, Aenderungen und Verbesserungen
erfahren. Schwierigere Dreharbeiten wurden
mit Hilfe des Drechslers ausgeführt. So
gestaltete sich die Uebertragung des Entwurfs
in die plastische Wirklichkeit zu einem erziehlichen
Mittel ersten Ranges. Der Arbeitseifer
wurde aufs höchste entfacht, weil es
im Wesen der produktiven Arbeit liegt, daß
der Schaffende nicht eher ruhen kann, bis
er sein Werk vollendet vor sich sieht. Durch
die farbige Behandlung der Arbeiten, die in
möglichst reinen Tönen zum Ausdruck kam,
erhielten die Gegenstände stärksten Anreiz
für das Kinderauge und Kinderherz. Erstaunlich
war die übergroße Menge origineller und
lustiger Einfälle, die von unserer Spielwarenindustrie
aufgenommen zu werden verdienten.
Im Wesen des Spielzeugs liegt es, daß das
Kind damit spielen kann, d. h., daß es entweder
so geartet ist, daß es durch Zerlegung
in seine Teile, durch Veränderung des Aufbaues
des Ganzen die Phantasie des Kindes
beschäftigt und anreizt, produktiv zu gestalten
, also Neues aus dem Gegebenen zu schaffen
, oder aber, daß es beweglich ist, daß es
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