Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 38. Band.1918
Seite: 240
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geübte Durchschnittsarchitektur den gekennzeichneten
Zwiespalt: sich selbst gerechter
Kunstformen hier, einer roh und unverhüllt sich
brüstenden Technik da — in erschreckendem
Umfang. Auf der einen Seite soll die gegenwartsfremde
Formenwelt des durch die Stilgeschichte
geheiligten Akademischen die
Schmuckbedürfnisse befriedigen, welche die andere
Seite des üblichen Baubetriebs, die nüchterne
Materiallogik und die bloß errechnete
Zweckkonstruktion des Hochbauingenieurs, der
plastischen Vorstellungskraft nicht darzubieten
vermag! Der Beispiele solcher sich widersprechenden
Zusammenkoppelung sind so viele
und sie treten uns, als längst bekannt, tagtäglich
unter die Augen, daß es sich fast erübrigt, auf
eines noch besonders hinzuweisen: ich meine
die großstädtische Mietskaserne, jenen rohen,

rein aus Geldabsichten geborenen Kasten, den
alsdann eine gefühlsunsichere Verstandesbildung
mit Renaissancesimsen und Stuckkaryatiden
„verzieren" zu müssen glaubt.

Eine Lösung dieses klaffenden Kulturproblems
gehört zu den Herzenswünschen unserer
Zeit, wovon denn auch wiederholt Stimmen laut
wurden,von erlesenen Vertretern des Publikums,
wie Karl Scheffler mit seinem empfehlenswerten
Buch „Die Architektur der Großstadt"
(mit eOAbbildungen, Berlin 1913), von Künstlern
selbst, wie Peter Behrens, dessen von männlichem
Willen erfüllter, zukunftsverheißender
Vortragüber den„Zusammenhang desbaukünst-
lerischen Schaffens mit der Technik" vielen von
uns in dankbarer Erinnerung steht.

Diese Sehnsucht verlangt nach einer Kultursynthese
, die ihren Bereich kaum weit genug

spannen kann. Denn sie
muß die fremdartigsten
oder gar sich einander
befeindenden Elemente
verbinden: die künstlerische
Form in ihrer
idealen Eigensinnigkeit
und die technische Konstruktion
in ihrem übermenschlich
, materiell harten
Zwang, einen geistig
individualisierten Geschmack
hier und die
sozialen Bedürfnisse weiter
Volksmassen da, —
logisch denkende Einheit
und rein instinktiv
handelnde Mannigfaltigkeit
. —■ Kurzum, die geistige
Kunst und die materielle
Zivilisation sollen
fürderhin nicht mehr
sich einander ausschließende
Gegensätze bedeuten
oder aber der eine
Faktor auf Kosten des
andern eine Vorherrschaft
anstreben: als abstrakter
Aesthetizismus,
als technischer Materialismus
, — sondern beide
sollen sich organisch verschmelzen
und funktionell
vereinen in dem
höheren Dritten, das man
als „Kultur" bezeichnet.

ARCH. PAUL MEBES-BERLIN

HAUS HIRSCH: BADEZIMMER

Wenn man den Grundlagen
der gegenwärtigen

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