http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_38_1918/0328
ARCH. LOSSOW &. KÜHNE-DRESDEN
HAUS COHEN-NEUBABELSBERG: TERRASSE
Jahren tüchtige Kunsthandwerker an manchen
Orten, Kunstschlosser, Kunsttischler, Dekorationsmaler
, Glasmaler, Goldschmiede u. a. m.
Sie hatten technisch und formal vieles gelernt
von den alten Meistern und schöne und lohnende
Aufträge sicherten ihre Existenz. Werkstätten
und Kunstgewerbeschulen sorgten für
Nachwuchs. Seitdem sind drei Jahrzehnte
vergangen: Haben sich in dieser Zeit die tüchtigen
Meister vermehrt, ist die Gehilfenschaft
immer tüchtiger geworden an immer schöneren
und sich mehrenden Aufträgen für das Kunsthandwerk
? Gerade das Gegenteil ist eingetreten.
Die wirtschaftliche Zeitentwicklung zwang das
Handwerk nach der technisch industriellen
Seite hin. Der tüchtige Handwerker entwickelte
sich folgerichtig mehr zum Industriellen
und Kaufmann, nicht zum Künstler. Daher
konnte das Verhältnis zwischen Künstler und
Handwerker nie zur Harmonie kommen, daher
fanden Handwerker- und Kunstgewerbe-
Schulen so selten Anschluß aneinander, Industrie
, Handwerk und Kunst wurden zu einem
wirren Knäuel — Kunstgewerbe genannt.
Dieser Knäuel muß entwirrt werden und
der Kunst gegeben, was der Kunst ist und
dem Gewerbe, was des Gewerbes ist. Gestehen
wir uns ruhig ein: es war ein Irrtum,
„Kunst in das Handwerk" bringen zu wollen,
die Zeit erlaubte es nicht. Das Handwerk
wird blühen, wenn es technische Wertarbeit
anstrebt, darin muß Feinfühligkeit für Technik
, Form und Farbe Hand in Hand gehen.
Kunst ist eine andere Sache.
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