http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_38_1918/0404
PROF. PAUL SCHULTZE-NAUMBURG
SCHLOSZ CECILIENHOF: WOHNZIMMER DES KRONPRINZEN
Wenn man früher einer Verbreitung solcher
Heimstätten mit eigenem gärtnerischen Betrieb
aus volkswirtschaftlichen Gründen gegenüberstand
, so kann man in den gegenwärtigen
kriegerischen Zeiten deren Vermehrung nur
begrüßen.
Die Bedeutung der Selbstversorgung, der
Kleingartenkultur wie der Kleintierfarm wurde
von weiteren Volkskreisen mehr und mehr
erkannt. Die Folge war, jedes verfügbare
Stückchen Erde wurde kultiviert und die Kleintierzucht
blühte selbst in den engsten Winkeln
der Städte. Im Innern der Baublöcke werden
aber die zahlreichen Stallbauten infolge ihrer
unzweckmäßigen Anordnung und Ausdünstungen
von den Nachbarn als lästig empfunden.
Hinsichtlich „Volksgesundheit und Volksernährung
der Zukunft" geben diese unerquicklichen
Zustände zu ernstlichen Besorgnissen
Veranlassung und führen zur Ueberzeugung,
daß zur inneren Gesundung unseres Volkes
von den Leiden der Zeit nicht nur die Verbesserung
der Wohnverhältnisse gehört, sondern
auch eine durchgreifende Innenkolonisation
.
Neben diese zeitgemäße Forderung tritt die
der vaterländischen Dankesschuld entsprungene
Fürsorge für unsere Krieger und Kriegsbeschädigten
.
Durch die überall eingeleiteten Maßnahmen
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