Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 39. Band.1919
Seite: 22
(PDF, 134 MB)
Startseite des Bandes
Zugehörige Bände
Varia

  (z. B.: IV, 145, xii)



Lizenz: Public Domain Mark 1.0
Zur ersten Seite Eine Seite zurück Eine Seite vor Zur letzten Seite   Seitenansicht vergrößern   Gegen den Uhrzeigersinn drehen Im Uhrzeigersinn drehen   Aktuelle Seite drucken   Schrift verkleinern Schrift vergrößern   Linke Spalte schmaler; 4× -> ausblenden   Linke Spalte breiter/einblenden   Anzeige im DFG-Viewer
http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_39_1919/0040
nicht anders geworden und gewachsen sein wie
nur auf die eine, ungeschminkte und so wahre,
frische, stetige planvolle Art und Weise.

Flüchtigkeit und Eile kannte Boehle nicht.
Er war ein rechter „Bremser", ließ langsam,
verhaltend die Fülle der aufgespeicherten Gesichte
entstehen, war direkt altmodisch-beschaulich
. Modern hastenden Menschen wäre schon
allein das Boehlesche Verweilen „vor den Dingen
" langweilig vorgekommen, es hätte sie zur
Verzweiflung gebracht. So z. B. konnte er stundenlang
Tiere beobachten; im Zoologischen:
Hirsch und Eber, Löwe und Panther; dabei arbeitete
aber Hirn und Auge intensiv, ihm wurde
es nie langweilig dabei, sein Auge rollte gewissermaßen
um das Tier herum — er sah nicht
nur Tierprofile; sein Blick drang durch, denn
außerordentlich gründliche anatomische Kenntnisse
befähigten ihn dazu; nahm Knochen und
dahinter und tiefer liegende Muskeln, Übergänge
und Bewegungen wahr, wovon der „nur"
Betrachtende weder eine leise Ahnung hat, noch
annähernd das freudvolle Entzücktsein solchen
Sehens zu begreifen vermag. Ein ganz armes
Bübchen, dem sonst nie die Sonne Licht und
Freude gab, und das zum heiligen Abend unter

seinem ersten, lichterprangenden Christbäum-
chen Pferdchen und Wägelchen findet und zaghaft
hervorholt, kann nicht seliger und glück-
lich-taumliger sein, als es der reife Mann und
Künstler Fritz Boehle gewesen ist, wenn er
Pferde (seine Pferde) — die großen, schweren,
stämmigen Rosse, wie sie in den schönen Jahren
des Friedens vor den Bierbrauerwagen her-
klepperten — erblickte.

Ich werde nie vergessen, wie vor Entzücken
und höchster innerlicher Begeisterung seine
blauen Kinderaugen groß und trunken schauten
und schauten und sich nicht satt trinken konnten
— in Dillenburg war es, bei Vorführung der
herrlichen Hengste des dortigen preußischen Gestütes
..... Da war er herzbebend gerührt,

wie ein echter Bub, der noch nicht verpfuscht
und vollbepackt ist mit Aufgaben für die Schule
und den so gar künstlich sittsamen sonstigen
Dingelchen all.

Boehles sachgemäß Ordentliche beim Zeichnen
war in erster Linie bedingt durch sein Sehen.
Er sah nach dem Gesetz. Was wir künstlerisch und
literarisch-schöngeistig alles in und um die Dinge
sehen und gedanklich noch mit hineingeheim-
nissen, schied bei Boehle als Zeichner von vorn-

FRITZ BOEHLE FLUSSLANDSCHAFT MIT LEINREITER UND WINDMÜHLE (RADIERUNG)

22


Zur ersten Seite Eine Seite zurück Eine Seite vor Zur letzten Seite   Seitenansicht vergrößern   Gegen den Uhrzeigersinn drehen Im Uhrzeigersinn drehen   Aktuelle Seite drucken   Schrift verkleinern Schrift vergrößern   Linke Spalte schmaler; 4× -> ausblenden   Linke Spalte breiter/einblenden   Anzeige im DFG-Viewer
http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_39_1919/0040