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und ihren Wirkungen auf
den ihm gemäßen Weg wiesen
. Dann noch die Bekanntschaft
mit H. Ludwigs kunsttechnischen
Schriften und
Versuchen, die der gelehrte
und praktische Forscher aus
den Meisterwerken der Alten
abgeleitet hatte. In Ludwigs
Hinweisen und technischen
Ratschlägen fand Lugo die
Möglichkeit, seine Bilder
auch technisch feiertäglich
hoheitsvoll zu gestalten: das
Kleinste und das Größte der
Form wirkungsvoll in den
großartigsten Raumgedanken
einzugliedern, die Erde
fest und massig, die Lüfte
ätherisch und bewegt, die
Pflanzenwelt locker und
weich, jedes Element seiner
Formwelt künstlerisch klar
herauszubilden und dasGanze
zu einem sinnvollen Organismus
zusammenzuschmelzen
. Nun war der Künstler
imstande, sein hohes zeichnerisches
Können und seine
harmonische Farbengebung
zu einer Einheit von größter
Eindringlickeit und Vornehmheit
ineinanderzuflech-
ten und seinem Werk den
Stempel der Gelassenheit und
zugleich der künstlerischen
Leidenschaft aufzuprägen.
Die rastlose und ernste Arbeit
eines Menschenalters
hat ihn endlich doch zur
eigenartigen Freiheit über
die Mittel und Ausdrucksformen
der Kunst geführt.
Von jetzt an schuf er im vollen Sinne meisterlich
.
Von dem Erinnerungsbild ab „Aus dem Breisgau
" (igoo) mit seinem heiteren Frieden und
seinem sonntäglichen Glanz, über die in Wald
und Wolken leidenschaftlich aufrauschenden
„Kraniche des Ibykus" (1892) zu der bewegten
Fülle und Harmonie der „Sinfonia pastorale"
(1896) oder zu der organisch aus dem Felsen
heraus entwickelten Bergstadt „Capri" (1896)
bis in den gewaltigen, aus vielen Versuchen und
Proben gewachsenen „Orpheuszyklus" hinein
läßt sich das beherrschte und besonnene Gestaltenkönnen
jedes möglichen erhabenen Gefühlsausdruckes
verfolgen.
EMIL LUGO
DIE KRANICHE DES IBYKUS (1892)
Vielleicht geben die zwei letzten Werke seiner
Hand, die „Weiden" (1901) und die „Abendwolken
" (1901) noch am besten die Spannweite seines
Schauens und Könnens, zu der sich sein arbeitsreiches
Leben emporgearbeitet hatte. Dort,
im Pastellstift, die höchste zeichnerische Vollendung
und heller, silberner, malerischer Klang
in dem Blaugraugrün des Weidenlaubes und des
Wasserspiegels. Hier, im Ölbild, die malerisch
feine und gedämpfte Registrierung in Rot-Blau-
Grün im leuchtenden Gewölk auf dem dunkeln
Ton von Luft und Wald. Glänzende Verschmelzung
des Zeichnerischen und des Malerischen
mit einer die Raumwirkung mächtig herausarbeitenden
Kompositionsweise würde etwa auch
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