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OLAF GULBRANSSON
MARGOT KLIMSCH
ein Spielplatz, auf dem er nach Lust und Laune
sich und sein Publikum durch groteske Sprünge
ergötzen konnte. Er wollte Ernsteres, und gerade
die Karikatur in ihrer das Wesentliche
durch starke Betonung übertreibenden Eigenart
leitete ihn zum gewissenhaftesten und sorgfältigsten
Studium des Menschen hin.
Es ist kein Zufall, wenn in dem entzückenden
Heim, das sich der Künstler in der Schwabinger
Keferstraße, gegenüber dem Englischen Garten
, eingerichtet hat, im sogenannten „Käfernest
", Holbeins Windsor-Bildnisse vom Hofe
Heinrichs VIII. eine große Rolle spielen. Es
dem Baseler Meister gleichzutun, ist — so
scheint es mir, — sein höchster Ehrgeiz. Wie
nahe er ihm in manchen Fällen kommt, bezeugen
einzelne der hier wiedergegebenen Bildnisse,
vor allem jenes Exzellenz Mumms von Schwarzenstein
(Seite 117), wenn es auch natürlich der
bloßen Netzätzung nicht möglich ist, die unendliche
Zartheit und Delikatesse der Originale
befriedigend wiederzugeben. Gulbransson verzichtet
hier ganz auf die kräftig umrissene Silhouette
, die er in seinen Karikaturen so liebt.
Mit äußerster Feinheit gleitet sein Stift, um das
Profil zu bannen, mit den kleinen Augen, dem
energischen Mund und den charakteristischen,
großlappigen Ohren. Dann modelliert er mit
ein wenig brauner Farbe die Flächen, betont
hier und mildert dort, sich stets auf ein Mindestmaß
der Durchführung beschränkend. So
kommt es, daß man meint, einer außerordentlich
zarten Reliefplastik gegenüberzustehen,
einer Plakette großen Stils. Ich halte dies Porträt
für sein allerbestes.
Auch in dem Profilbildnis seiner Gattin, der
durch ihre schönen, von tiefer Empfindung beseelten
Gedichte weitbekannten Grete Gulbransson
, läßt er sich von ähnlichen Gesichtspunkten
leiten. Hier ist nur der Fleischton angelegt und
ganz zart mit Blau modelliert, während das
kastanienbraune Haar, von dem nur ein schmaler
Streif über der Stirn und im Nacken sichtbar
wird, einen kraftvollen Akzent gibt.
Bei dem schlummernden kleinen Olaf Andreas
(Seite 114) ist das aus dem Häubchen hervorschauende
friedliche Kindergesicht fast nur
hingehaucht. Der Künstler hat sich beinahe
gefürchtet, mehr als den inneren Umriß der
Haube zu geben, um nur ja nicht den Blick von
der zarten Modellierung dieses knospenden
Menschengesichtes abzulenken. Von einer Anzahl
anderer Porträts hat er wenig mehr als
die Maske des Dargestellten ausgeführt und ge-
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