Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 39. Band.1919
Seite: 150
(PDF, 134 MB)
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KARL CASPAR

VERRAT (1914)

Künstlern auch den geistigen Umfang, die ursprüngliche
Kraft und Lieblichkeit, die volkhafte
und gesellschaftliche Bedeutung mit jenen
alten Künstlern gemein haben, die in Dürer
und Grünewald Höhe und Ende der eingeborenen
deutschen Kunst fanden. Es werden die
Künstler sein, die am wenigsten Stilismus
machen, die den Reichtum der gegenwärtigen
Kunstmittel aber am freiesten gebrauchen und
die den Inhalt ihrer Werke zu der unvergänglichen
Bedeutung steigern können, die das Geheimnis
der alten Kunst ist. Es ist jenes Geheimnis
, daß nur eine wirkliche künstlerische
Tiefe und nur ein großer geistiger Umfang
auch einen wirklichen Reichtum künstlerischer
Mittel brauchen und fortbilden kann, so wie
Karl Caspar über den engeren, besonders den
deutschen Impressionismus hinweg die malerische
Form van Goghs und Cezannes vervielfältigt
, aus der mehr formalen Anschauung in
charakterhafte Erfahrung verwandelt und damit
zur deutschen Eigenform gemacht hat.

Und mit der künstlerischen Verstärkung vertieft
er auch wieder den Umfang der geistigen
Formen, bis sich die neue religiöse Welt in
ähnlichem Geiste und Maße mit der alten berührt
.

Bilder mit dem Schmerzausdruck des „Öl-
bergs" (Abb. S. 151 u. 153), den Caspar immer
wieder in noch eindringlicherer Annäherung des
Gottmenschen darstellt, mit der wortlosen Johannesteilnahme
des .,Abendmahls" (Abb. S. 152)
oder mit der Verräterfrage der gleichen Szene,
sowie mit dem Gram des „Elias in der Wüste"
(Abb. S. 149), das „Ringen Jakobs mit dem
Engel" (Abb. S. 158), die Erleuchtung im Brausen
des Himmels im „Johannes auf Patmos"
(Abb. geg. S. 149), dann die allgemeineren
seelischen und mythischen Empfindungen der
„Melancholie", der „Betrachtung", der „Sibylle"
(Abb. S. 161) sind Formen, in denen der Sinn der
Zeit sich sucht und sich im religiösen Schicksal
zuletzt erfüllt findet. Die neuen Formen sind von
der Natur und der bloßen Gegenständlichkeit,

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