Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 39. Band.1919
Seite: 184
(PDF, 134 MB)
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http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_39_1919/0214
alsEinzelerscheinung
betrachtet, dreimal
verschiedene Stimmungen
aus. Die Pariser
Hand ist das
Dokument jugendlicher
Unbesorgtheit,
sie hat nichts erlebt,
ist fast ein wenig spielerisch
, ist als Ganzheit
erfaßt und gestaltet
. In den Madrider
Händen steht
schon mehr geschrieben
, diese Hände haben
schon ins Leben

gegriffen, haben geschaffen, geliebt, geruht, aber
noch ist nicht jene Abgeklärtheit, um nicht zu
sagen Verklärung in ihnen, die für die bis ins
einzelne liebevoll durchgebildete, geradezu architektonisch
gebaute Münchner Dürerhand charakteristisch
ist: das ist die Hand des Meisters,
der seine Kunst und sein Leben beherrscht. Es
ist eine fast über die Jahre des Porträtierten
hinaus alte Hand, eine reife Hand, der man es
glaubt, daß sie dieses Meisterwerk schuf, auf
dem sie selbst prangt, ganz so wie man auch
an Böcklins Hand auf seinem Selbstbildnis mit
dem fidelnden Tod glaubt.

Es ist das Seltsame und Eigenartige an den
von Dürer gestalteten Händen seiner Selbstbildnisse
, daß sie, imaginär losgelöst von den
Körpern, ihr eigenes Leben leben, daß aber
zugleich die große Persönlichkeit in ihnen
weiterschwingt und das mit so überzeugender
Kraft, daß diese Hände nur Dürer selbst, niemandem
sonst gehören können. Sie sind also

A.DÜRER □ AUS DEM SELBSTBILDNIS VON 1493 (PARIS)

Individualitätsdoku -
mente, gemalte Steckbriefe
, gewissermaßen
Vorahnungen
der Daktyloskopie.
Warum nicht ? Man
spricht von Berufshänden
, will aus der
Gestalt und Form der
Hand Rückschlüsse
ziehen, die bis zu feinen
Unterscheidungen
gehen: die Hand
des Arztes, des Bildhauers
, bei den Handwerkern
die Hand
des Schneiders, Schusters, Schmiedes weist
charakteristische Formen oder Abformungen auf,
warum sollte nicht die Möglichkeit bestehen,
von „Porträthänden" zu sprechen, warum sollte
im besonderen bei einer so hochentwickelten,
uroriginalen Persönlichkeit wie Dürer nicht die
Hand im gleichen Sinn Individualitätsdokument
sein wie der Schädel ? Der Anatom Froriep
hat Schillers Schädel auf Grund anatomischer
Ausmessungen erkannt und uns von der Echtheit
seines erschütternden Fundes überzeugt:
man sollte meinen, auf Grund des getreuen
Bildnisses, das Dürer wiederholt von seinen
individuell geformten Händen gab, müßte es
einem Anatomen gelingen, unter modernden
Gebeinen des Nürnberger Johannisfriedhofes
das Knochengerüste der Dürerhände ausfindig
zu machen . . .

Dürers Hände auf seinen Selbstbildnissen
haben indessen über die Verstärkung des
Porträteindrucks hinaus eine wichtige Funk-

ALBRECHT DÜRER

AUS DEM SELBSTBILDNIS
VON 1498 (MADRID)

ALBRECHT DÜRER

AUS DEM SELBSTBILDNIS
VON 1500 (MÜNCHEN)

184


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