Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 39. Band.1919
Seite: 188
(PDF, 134 MB)
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http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_39_1919/0218
Hände, die je gemalt
wurden, rätselhaft
wie der
Blick der Frau.
Hände, die von
Glück und von
Schmerzen erzählen
, die voll
Geheimnisse und
voll Offenbarungen
sind und
gleich geschickt
erscheinen zur
Liebe wie zum
Dolchstoß. Ein
Gedicht Storms
auf eine Frauenhand
fährt ei- wilhelm leibl

nem bei Betrachtung
der Mona Lisa-Hände durch den Sinn:

Ich weiß es wohl, kein klagend Wort
Wird über deine Lippen gehen ;
Doch, was so sanft dein Mund verschweigt,
Muß deine blasse Hand gestehen.
Die Hand, an der mein Auge hängt,
Zeigt jenen feinen Zug der Schmerzen,
Und daß in schlummerloser Nacht
Sie lag auf einem kranken Herzen.

Die neuere Malerei hat in Böcklin den
beredtesten, in Leibi und Menzel die materiellsten
Händemaler ; Leibi und Menzel geben
wie Dürer „Porträte" der Hand. Wenn Leibi,
wie er, der Kritischste
aller neuzeitlichen
großen
Maler, es
gerne tat, seine
Bilderzerschnitt,
so ließ er wohl
eine Hand oder
ein Händepaar
gelten und bestehen
, und es
ist merkwürdig,
welch eigenartig
selbständigesLe-
ben solch eine
Hand, vom ur-

zweifrauenhände

sprünglichen
Bild losgetrennt,

wilhelm leibl

weiterlebt; nicht
minder merkwürdig
ist indessen
, wie bei Leibi
innerhalb des
Bildganzen das
Händespiel entscheidet
. „Alle
großen Alten haben
die Hände
mit Kunst gemalt
. Die Hand
ist so charakteristisch
wie das
Gesicht," sagte
er wohl gelegentlich
. Bei Menzels
Händen staunt
man über die
Kraft und Anschaulichkeit, mit der der Meister
ihre Funktion ausdrückte, wie er das Reagieren
der Finger auf Sinnesreize, ihre physische und
seelische Feinfühligkeit darstellt.

Der Impressionismus, der das Herausarbeiten
der Details verpönt, hat die Abtötung der
Händemalerei bewirkt. Lenbach, ein Impressionist
wider Willen, ist in der Vernachlässigung
der Ausführung der Hände bei den meisten
seiner Bildnisse (ein paar Ausnahmen bestehen),
bis zum Äußersten gegangen. Lange erklärte
diese Vernachlässigung damit, daß der Künstler
den Blick des Beschauers auf einen Punkt
des Gesichtes, strenger gesprochen : auf die

Augen, habe konzentrieren
und
das „Herumwandern
" auf dem
Bilde habe verhindern
wollen.
Mit andern Worten
: er fürchtete
die Konkurrenz
der Hand für das
Antlitz. Braucht
es noch eines
stärkeren Beweises
, um die
Bedeutung der
Hand im Bilde
darzutun ?

zwei Hände mit buch GeorgJacobWolf

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