http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_39_1919/0222
R. ENGELMANN s TREPPENFIGUR IM GERICHTSGEBÄUDE ZU WEIMAR
von solchen) von zwölf Kopflängen mit Extremitäten
wie Stöcke und Köpfen wie Schneemänner
, der dritte schafft Figuren von äußerster
Starrheit und Eckigkeit in Form und Ausdruck
. Jeder glaubte einen neuen Stil gefunden
zu haben und fand auch seine begeisterten
Anhänger in der kleinen Schar der futuristisch
Gesinnten. Aber nur zu rasch ging man auch
über diese großen Neuerer hinweg; man mußte
sich sagen lassen, daß diese „ureigenen" Gestaltungen
gesuchte, mehr oder weniger rohe und
ungeschickte Nachahmungen nach ägyptischen
oder assyrischen Plastiken, nach den Holzgötzen
der Aschanti und Kameruner, nach den
Bronzegruppen der etruskischen Verfallskunst
ufs. seien. Auch ist dem Publikum schwerer
einzureden, daß Statuen, die Beine mit doppelten
Knien, Arme mit mehreren oder ohne
Ellenbogen aufweisen, die den Pfefferkuchenmännern
oder Zwetschenpetern der Weihnachtsmärkte
bedenklich gleichen, Erzeugnisse einer
hohen Kunst, eines echten Stils seien. So darf
unsere moderne Plastik, wenn sie wie durch
Jahrtausende weiter ihren Weg in der stilvollen
Ausgestaltung der Natur zu finden sucht,
doch neben solchen snobistischen Phantastereien
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