http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_39_1919/0230
RICHARD ENGELMANN
BÜSTE M. REGER
mann gibt hier der seit dem Vorgange Rodins
fast herrschenden Mode nach. Von Hindenburg,
dem seine von einem unserer ersten Bildhauer
modellierte Büste mit solchem „Sockel" vorgeführt
wurde, wird die Äußerung erzählt: er
verstehe nicht, weshalb man seinen Körper darstelle
wie einen mißglückten Napfkuchen. Offen
gesagt, ist diese beliebte Lösung, gerade wie
das Aufsetzen des Kopfes direkt auf einen viereckigen
Steinklotz und andere Lösungen der Sok-
kelfrage nur eine Verlegenheit unserer neueren
Künstler, die einen glücklichen Abschluß ihrer
Büsten nach unten nur sehr selten finden.
Freilich ist dieser recht schwierig, und die
Lösung wird jetzt noch dadurch erschwert,
daß wir keine festen Plätze haben, an denen
die Büsten regelmäßig aufgestellt werden. Da
hatte es der Barock, hatte es namentlich die
Renaissance weit besser, deren Büsten auf dem
Kaminsims, in der Türlünette oder im Grabmonument
aufgestellt wurden und danach ihre
Form und ihren Abschluß erhielten. Die Büste,
die für das Haus bestimmt war, schloß im
Quattrocento fast ausnahmslos flach ab; sie
erhielt, wenn nur ein kurzer Brustabschnitt gegeben
wurde, einen hohen, bei einem größeren
Brustabschnitt einen niedrigen Sockel, der bald
aus demselben Marmorblock gemeißelt, bald in
Holz gesondert dafür gearbeitet wurde. Dafür
hatte man gewiß keine besonderen Regeln, aber
diese Bildung entsprach der Bestimmung der
Büste und entsprang aus einem unbewußten
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