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WILLY JAECKEL
SELBSTBILDNIS
WILLY JAECKEL
Wenn einer zwanzig Jahre alt ist, so ist er
Jugend, so ist er eine Hoffnung — steil
aufsteigende Rakete; ein Versprechen, Zukunft,
ein Noch-nicht-Eingelöstes. Wenn einer dreißig
Jahre alt geworden, dann ist er. ein Mann, sein
ist die Tat, das Werk. Das breite Leuchten:
Von ihm können wir das Kunstwerk fordern.
Wille trägt Früchte, er erwächst zur Reife.
Der Maler Willy Jaeckel ist jetzt dreißig
Jahre alt. Vor sechs, sieben Jahren erschienen
seine ersten Bilder in den Ausstellungen der
Berliner Secession, 1916 entstanden die vier
großen Kompositionen für Bahlsens Keksfabrik
in Hannover (siehe den Aufsatz in Jahrgang
1916/1917 Januarheft), eine fabelhafte Energiezusammenraffung
auf sehr umfänglichen Leinwänden
. Willy Jaeckel, aus Breslau stammend,
Schüler der dortigen Akademie und von Otto
Gußmann in Dresden, ist jetzt bei den Führenden
der wieder jung gewordenen „alten" Berliner
Secession; seine Bilder sind auf allen Ausstellungen
sichtbar.
Bei der Gelegenheit eines Vortrages durch
den Querschnitt der Malerei unserer Zeit —
die so wundervoll vielverschieden und groß ist!
— habe ich versucht, das Porträt der Kunst
Willy Jaeckels als Silhouette etwa so zu geben:
„Die Bilder Willy Jaeckels sind wie ein Ausdruck
ungetrübter Vorstellung. Selbstverständlich
, einfach — von der Einfachheit reicher
Ordnung — unvergewaltigt in ihren Mitteln.
Er beherscht die Form, er kann im banalsten
Sinne des Wortes: zeichnen. Er hat Handwerk,
er hat die energische Malfaust des Monumentalkünstlers
. Seine Form, die zum Barocken sich
neigt, kubisch fühlend, ist voll äußerster Spannung
in ihrer Ausdrucksfähigkeit; sie hat die
gebannt geballten, sprungbereiten, explosiven
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