http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_39_1919/0253
OTTO RICHARD BOSSERT
Um die Jahrhundertwende etwa, als sich in
Deutschland die künstlerische „Neuorientierung
" vollzog, kam O. R. Bossert mit noch
zwei süddeutschen Kameraden von Karlsruhe
nach Leipzig, um sich in erster Linie wohl dem
Plakat zu widmen. Was in jener Zeit bei Bossert
entstand, waren die üblichen, von der Druckindustrie
geforderten Plakate und Illustrationen
in dem damaligen Zeitstil. Nur wer Bossert
persönlich kannte, merkte, daß er ein großes
Maß von Aktivität besaß und vorwärts
drängte. Trotzdem aber bewegte sich damals
alles in konventionellen Grenzen und ließ nichts
von dem problematischen Wesen erkennen, das
sich später in erhöhtem Maße bemerkbar
machte. Daran änderte zunächst auch seine Anstellung
an der Leipziger Akademie nichts.
Vielleicht hatte der Direktor sein gutes Lehrtalent
erkannt. Bossert war nun tatsächlich
einmal keine Niete, sondern ein Gewinner, und
seine Lehrtätigkeit ist, wie ich das hier gleich
vorwegnehmen möchte, eine wirklich ersprießliche
geworden. Denn er war eine eminente
Energie, ein kluger Köpf und ernster Geist, der
Die Kunst für Alle XXXIV.
221
30
http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_39_1919/0253