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JULIUS EXTER
SELBSTBILDNIS
JULIUS EXTER
Ein Zeit- und Weggenosse der Münchner
Künstler, die heute zwischen fünfzig und
sechzig stehen und deren stärkster Repräsentant
nach außen hin Franz Stuck ist, war Julius
Exter dabei, als die frische, mutige Bewegung
durch die junge Münchner Künstlerschaft ging,
die um i8go zur Begründung der „Secession"
führte. Exter war erst kurz dem Atelier des
tüchtigen, indessen etwas trockenen und nüchternen
Alexander von Wagner an der Münchner
Akademie entronnen und mit dem lebhaften
Temperament des Pfälzers (Ludwigshafen
ist seine Vaterstadt) in der vordersten Reihe der
Kunstbarrikaden-Kämpfer anzutreffen. Damals
begann man, mit alten Vorurteilen gründlich
aufzuräumen. Man war ungemein radikal. Die
impressionistische Weltansicht stieg hoch. Der
Reiz für das Auge, das ausschließlich optische
Moment, beherrschte die Kunstübung der Zeit.
Die Innerlichkeit und Poesiehaftigkeit wurde
tunlichst ausgeschaltet. Wer mit ihr ein Bestes,
Wesenhaftes seiner Persönlichkeit hätte austilgen
müssen, tat wenigstens so, gab sich zum
mindesten den Anschein der Robustheit. Die
Elendsmalerei wurde Mode. Kleineleutestuben
gaben den Rahmen ab für flüchtige Bewegungsstudien
. Der Mensch in der Malerei erschien
weniger als geistbegabtes Wesen, als homo sapiens
und Ebenbild Gottes, denn als Träger koloristischer
Werte und als Lichtreflektor.
Mitten in diesem Kreis ragt Fritz von Uhde
auf; auch er gepackt und zuweilen in den
Strudel der Elendsmalerei hineingezogen, aber
über der muffigen Stimmung und der vordringlichen
technischen Rezeptmäßigkeit doch nicht
sein Edelmenschentum preisgebend. Es geht
nicht an, seine Bilder, wie es wohl geschah, Milieuschilderungen
mit religiösem Inhalt zu nen-
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