Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 39. Band.1919
Seite: 276
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A. L. RICHTER SCHÄFERIDYLL (ZWEIFARBIG GETUSCHTE FEDERZEICHNUNG)

LUDWIG RICHTER, DER LANDSCHAFTSMALER

Er holte eine alte Mappe herbei, welche mit
einer ansehnlichen Schnur umwickelt war,
und indem er sie öffnete, sagte er: Ich habe
bei Gott diese Dinge längst vergessen, ich seh'
sie selbst einmal gern wieder! Der gute Junker
Felix liegt in Rom begraben, schon manches
lange Jahr; er war ein alter Junggesell, trug
gepuderte Haare und ein Zöpfchen noch anfangs
der zehner Jahre; er malte und radierte
den ganzen Tag, ausgenommen im Herbste, wo
er mit uns jagte. Damals, zu Anfang der zehner
Jahre, kamen ein paar junge Herren aus Italien
zurück, worunter ein Malergenie. Diese Bursche
machten einen Teufelslärm und behaupteten, die
ganze alte Kunst sei verkommen und würde
eben jetzt in Rom wiedergeboren von deutschen
Männern. Alles, was vom Ende des vorigen
Jahrhunderts her datiere, das Geschwätz des
sogenannten Goethe von Hackert, Tischbein
und dergl., das sei alles Lumperei, eine neue
Zeit sei angebrochen. Diese Redensarten störten
meinen armen Felix urplötzlich in seinem

bisherigen Lebensfrieden; umsonst suchten ihn
seine alten Künstlerfreunde, mit denen er schon
manchen Zentner Tabak verraucht hatte, gelassen
zur Ruhe zu bringen, indem sie sagten,
er möge doch die jungen Fänte schreien lassen,
die Zeit werde so gut über sie hinweggehen, wie
über uns! Alles umsonst! Eines Morgens schloß
er seinen hagestolzlichen Kunsttempel zu und
rannte wie verrückt nach dem St. Gotthardt
hinüber und kam nicht wieder."

Ich fange mit dieser Stelle aus dem „Grünen
Heinrich" an, um mich Kellers als dichterischen
Kronzeugen zu bedienen, für den unüberwindlichen
, unsäglichen Zug nach Rom, der vor rund
hundert Jahren die deutsche Künstlerseele erfüllte
.

Daß die politischen Verhältnisse es mit sich
brachten, daß eine Anzahl deutscher Künstler
statt in der Heimat in Rom ein Arbeitsfeld und
eine Entfaltungsmöglichkeit fanden, ist nicht
verwunderlich. Daß aber daraufhin jeder meinte,
sein Heil liege in Rom geborgen, ist — man

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