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PAUL C6ZANNE
DER RAUCHER (1896)
verlangt aber mit Recht, daß seine Referate
im ganzen den Zusammenhang einer einheitlichen
persönlichen Stellungnahme erkennen
lassen; denn nur auf dieser Grundlage kann
sich der Kritiker die schwere Verantwortung
gegen Künstler und Publikum zumuten, die
sein Amt ihm auferlegt. Wie gewaltig sein
Einfluß in der Tat auf den Leser sowohl, als
— was viel schwerer wiegt — auf den schaffenden
Künstler sein kann, weiß heute jedermann
und zum Überfluß sind erst in neuerer
Zeit wieder einmal die daraus folgenden Unzuträglichkeiten
von berufenster Seite eindringlich
dargestellt worden.*) Selbst wer dem Urteil
des Kunstrichters mit Grund widersprechen zu
können glaubt, befreit sich kaum je von dem
eigentümlichen Bann der Presse. Unvermerkt
wird das selbständige Urteil abgebogen, indem
man sich mit dem berufsmäßigen Kritiker auseinandersetzt
, namentlich da, wo man selbst
schwankend war. Schwankend und urteilslos
ist aber die gewaltig überwiegende Mehrzahl
der Menschen, gerade auf dem Gebiet der Kunst
und der bildenden insbesondere. Alle Konzert-
*) Bruno Walter, Kunst und Öffentlichkeit. Süddeutsche
Monatshefte, Oktober 1916.
Die Kunst für Alle XXXIV.
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