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DAS DANZIGER UPHAGENHAUS
helle prächtige Empfangszimmer verspürt. In
dem Vorraum, der ehemals mit Glas überdacht
war, steht einer der im Anfang des 18. Jahrhunderts
üblichen Danziger Schränke, dessen
Reichtum in dem milden Licht nie überladen
und protzenhaft wirkte. Delfter Vasen krönen
den Dielenschrank. Und rechts und links verdeckt
eine kleine Tür die Stellen, von denen aus
die großen Kachelöfen der anstoßenden Festräume
geheizt wurden.
Diese beiden Räume nehmen je die ganze
Ereite des Hauses ein. Der eine ist Empfangssaal
und liegt der Langgasse zu (Abb. geg. S. 53).
Weiße, goldabgesetzte Türen, Nischen und
Möbel, dazu die älteren Wandbespannungen und
Sesselbezüge aus rotem Damast ergeben ein farbig
zurückhaltendes und dennoch prunkvolles
Bild. Der Stil Ludwigs XVI. hat noch während
des Bauens hier Einzug gehalten. Zierlichkeit
und Gemessenheit ringen miteinander, und beide
bleiben in gleichem Maße Sieger. Sorglos und
doch würdevoll äußert sich die bürgerlich freie
Art des vornehmen Hanseaten. Mit seinem biederen
Maurermeister Johann Benjamin Dreyer
zusammen hat der Ratsherr Uphagen alle Einzelheiten
des Baus erwogen; selbständiger noch
darf uns die Innenausstattung als Ausdruck der
Persönlichkeit des Bauherrn gelten, der großzügig
eine Summe von etwa 275 000 Mark nach
GESCHÄFTSRAUM
heutigem Gelde für sein Stadthaus auswarf,
aber sich im einzelnen auch gern einmal Beschränkungen
auferlegte. Die Tischplatte sieht
wie Marmor aus und ist bemaltes Holz; und
auf Bilder an den Wänden dieses Saals wurde
völlig Verzicht geleistet.
Zwischen den Fenstern befinden sich schlanke
feingerahmte Spiegel mit geschweiften Sockeln,
auf denen Berliner Porzellangruppen stehen.
Und neben der Eingangstür sehen wir dänische
Kommoden mit fleißiger Einlegearbeit. In einer
Nische steht eine merkwürdige Urnenuhr, und
in der entsprechenden anderen Ecke ein hoher
weißer Kachelofen, nur mit etwas Gold geziert.
Das ist außer Tisch und Stühlen die ganze Einrichtung
, —- einfach und festlich zugleich.
Der andere Gesellschaftsraum (Abb. S. 61),
der große Speisesaal, ist mit vielen schönen und
nützlichen Gegenständen angefüllt und darum
wohnlicher. Besonders zu bewundern sind in
einem Eckschrank die barocken Danziger Silberarbeiten
, ferner gegenüber eine englische Anrichte
und kleinere Möbelstücke nach englischem
Muster. Den großen runden Tisch ziert
eine blauweiße Beiderwanddecke mit einer Ansicht
Danzigs im 18. Jahrhundert. Kristallgefäße
aus dem schier unermeßlichen Reichtum
Uphagenschen Tischgeschirrs sind hier aufgestellt
. — Eine Aufzählung der zahllosen Ein-
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