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PROF. FRANZ SEECK Q MITTELSTÜCK EINES FAMILIENGRABS MIT SARKOPHAG FÜR URNENBEISETZUNG
(VGL. S. 115)
gerten Friedhof. Nicht weniger glücklich scheint
uns für diesen Zweck der in deutschem Traver-
tin gearbeitete Sarkophag mit Postament eines
Urnengrabmals auf dem neuen, in den meilenweiten
Potsdamer Forsten eingebetteten Waldfriedhof
in Stahnsdorf bei Berlin. Hier ist auch
das Zusammenwirken des Grabsteins mit der
umgebenden Natur, den ernsten Kiefern und
Tannen zu beachten. Überhaupt hat der Künstler
, wo ihm freie Hand gelassen wurde, durch
Bepflanzung mit Bäumen, Sträuchern, Ranken
und Blumen die Wirkung der Grabanlage zu
erhöhen und sie mit der Nachbarschaft in Übereinstimmung
zu setzen gesucht. Die vor einem
Jahrzehnt im Garten neben dem Kunstgewerbemuseum
nach Seecks Plänen entstandene
Musterschöpfung einer Friedhofsanlage in Verbindung
mit der Ausstellung der Gesellschaft
für Friedhofskunst, hat gerade in dieser Richtung
, d. h. in der würdigen und zurückhaltenden
Bepflanzung der Grabstätten, für Berlin äußerst
anregend und fruchtbar gewirkt. Anläßlich der
Besprechung des großen, von Seeck in den letzten
Jahren geschaffenen Friedhofes des Staates
Bremen gedenken wir auf diese Seite seiner Arbeit
noch zurückzukommen. Wer das Berliner
Friedhofswesen, oder besser -unwesen, kennt,
wie es leider jetzt noch die Oberherrschaft hat,
der wird die Verdienste Seecks um seine Verbesserung
geziemend würdigen. Erschreckend
geradezu ist hier noch immer das in Marmor
und Granit, in Sandstein und Schmiedeeisen,
in Bronzefiguren und Kreuzen sich breit machende
Protzentum auf der einen Seite, das auch
im Tode den Prunk des Kurfürstendamms nicht
entbehren will, und die trostlose und liebeleere
Gleichförmigkeit der Reihengräber des Proletariats
. Als ein beschämendes Denkmal des
rücksichtslosen Protzentumes noch im Tode
nennen wir beiläufig das erst in unseren Tagen
auf dem alten Kirchhof des Dorfes Dahlem bei
Berlin entstandene Mausoleum eines Industriellen
; die ernste und weihevolle mittelalterliche
Feld- und Backsteindorfkirche, an die sich der
Friedhof anschließt, läßt die Gefühllosigkeit
noch größer erscheinen. Da ist es denn mit großer
Freude zu begrüßen, daß derartige Arbeiten
, wie die von Seeck, zunehmend den Beifall
des Berliner Publikums finden.
H.S.
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