Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 40. Band.1919
Seite: 117
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KRISTALLGLÄSER, ANTIKGRÜN, HELLBLAU UND IRISIEREND AUS DER KUNSTGEWERBLICHEN ANSTALT

JEAN BECK, MÜNCHEN

SCHÖNE GLÄSER

Die Sammler kunstgewerblicher Antiquitäten
haben im letzten halben Jahrzehnt das
Glas besonders bevorzugt; auf Auktionen
während der Kriegsjahre (z. B. gelegentlich
der Münchner Versteigerung der Sammlung
Philipp Schwarz) wurden für alte Gläser in
künstlerischer Veredelung ganz außerordentlich
hohe Preise bezahlt. Es handelte sich in
diesen Fällen ganz gewiß nicht um Sammelsport
oder um eine kunsthistorische Modesache,
sondern es ist, wie ein paar Jahrzehnte früher
in Hinblick auf das figürliche Porzellan, den
ernsthaften Sammlern die Erkenntnis aufgegangen
, daß die künstlerischen und kunsthandwerklichen
Ausformungen des Glases zu den
edelsten, sammlungswürdigsten Erzeugnissen
der Vergangenheit gehören, und daß es höchste
Zeit ist, zu sichern und zu vereinigen, was
noch auf dem Markte vorkommt. Vielleicht hat
auch in diesem Falle, konform der Entwicklung
des Porzellansammelns, die Erkenntnis befruchtend
mitgewirkt, daß die zeitgenössische Glaserzeugung
sowohl auf dem Gebiet des hochkultivierten
Einzelstückes wie des kunstgewerblich
durchdachten und ausgeformten Gebrauchsglases
in ihrer hohen Qualität nicht ohne Tradition
und Vorbild sein könne.

Das Einzelstück, das mit erlesener, technisch
komplizierter Oxydierung und Bemalung, mit
Raffinements, die in ihrer Zufälligkeit nur für
eine „Solonummer" denkbar sind, ausgestattet
wird, kann für die Bewertung des Gesamtniveaus
, das für die heutige Glasproduktion
kennzeichnend ist, nicht entscheidend in Frage
kommen. Um zu erkennen, was auf diesem Gebiet
an Arbeiten von allgemeiner Geltung und
weiterer Auswirkung geschaffen wird, muß
man sich vielmehr an die industrielle Erzeugung
, an die Gebrauchsgläser halten, wie sie

z. B., durch die Abbildungen dieses Heftes
veranschaulicht, aus den Werkstätten des
Münchner Kunstkeramikers Jean Beck hervorgehen
. Seit Jahren widmet sich dieser Kunst-
gewerbler, der ursprünglich der Keramik im engsten
Sinn sein Interesse zugewandt hatte, der
Glastechnik. Er hat bemerkenswerte Einzelstücke
, wie man deren von ihm auf der
Bayerischen Gewerbeschau 1912 sah, geschaffen,
ist dann aber aus der Erkenntnis, daß nur
durch die geschmackliche Auswirkung auf
weiteste Kreise wirklich fruchtbare künstlerische
Arbeit geleistet wird, darangegangen,
den Gebrauchsgegenstand in Glas, das Zierstück
zu erschwinglichen Preisen, die Vase,
die Schale, die Dose, das Wein-, Trink- und
Likörglas, die Flasche und ähnliches als sein
Schaffensgebiet zu erwählen.

Er unternahm es, mit einfachsten Mitteln
erquickliche, scheinbar selbstverständliche und
doch bis ins Letzte und Feinste errechnete und
ausbalanzierte künstlerische Wirkungen zu erstreben
. Er legte sich klar, daß bei der
maschinellen Glasbehandlung nicht mit den
reizvollen Zufälligkeiten der Technik, die der
Kenner bei alten Gläsern so liebt und schätzt,
gerechnet werden kann, daß dagegen durch
die Proportionierung, durch den gleichsam
architektonischen Aufbau des Glasgegenstandes,
durch das vorsichtige Abwägen von Sockel,
Oberbau und Abschluß, von Höhen- und
Breitenverhältnissen, von Verkantungen und
Profilierungen und durch die Erkenntnis, ob
ein in die Höhe leitender Vertikakchliff oder
ein die Horizontale betonender kugeliger Dekor
am Platze sei, das Beste und Entscheidende
getan werden muß. Die genaue Kenntnis der
Reizmöglichkeiten des Materials ist in diesem
Fall Voraussetzung des Gelingens. So ist —

Dekorative Kunst. XXII. 4. Januar 1919

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