http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_40_1919/0180
ENTWÜRFE FÜR EINE BAYERISCHE FRIEDENSBRIEFMARKE
BAYERN
imYi:RN
ROBERT ENGELS-MÜNCHEN
OTTO HUPP-SCHLEISZHEIM
JULIUS DIEZ
F. H. EHMCKE
[HÄVERN!
L. HOHLWEIN
Der allgemeine Wettbewerb, durch den das
Bayerische Verkehrsministerium vor längeren
Jahren brauchbare Entwürfe für neue
bayerische Postmarken zu erhalten hoffte, hatte
nur einen wenig ermutigenden Erfolg gehabt
und war ergebnislos geblieben. Auch das kürzlich
zur Entscheidung gekommene Preisausschreiben
des Stuttgarter Landesgewerbe-Museums
hat den erhofften, schlagend überzeugenden
Entwurf für eine neue Reichs-Post-
marke trotz Hunderter von Einsendungen nicht
gebracht und die Lösung der schwierigen Aufgabe
nicht entscheidend gefördert. Das könnte
hoffnungslos machen und darf doch nicht die
Ansicht bestärken, daß es unmöglich sei, auf
diesem Wege zum Ziele zu kommen, denn es
gehört mit zu den dringlichsten Aufgaben unserer
amtlichen Graphik, für neue gute und
zweckentsprechende Postwertzeichen zu sorgen,
und nur ein öffentlicher oder beschränkter Wettbewerb
kann sie uns bringen.
Auch die bayerische Postverwaltung, die beabsichtigte
, nach Beendigung des Krieges besondere
Friedensbriefmarken auszugeben,
ist diesen Weg gegangen und hat, nachdem
früher unternommene Schritte zur Erlangung
künstlerischer Entwürfe für solche Marken kein
befriedigendes Ergebnis gezeitigt hatten, im Sommer
igi8 eine Anzahl namhafter Künstler eingeladen
, die Lösung der gestellten Aufgabe zu
versuchen. Da die Marken in einfachem Buchdruck
ausgeführt werden sollten, mußten die
Entwürfe, für die eine Größe von 105: 125 mm
vorgeschrieben war, als Strichzeichnungen angefertigt
werden. Welchen Gedanken sie dieser
Erinnerungsmarke zugrunde legen wollten, war
den eingeladenen Künstlern freigestellt; nur
sollte das Sinnbild der Friedenstaube nicht verwendet
werden. Jeder Künstler konnte sich mit
zwei fertigen Entwürfen an diesem engeren
Wettbewerb beteiligen. Dafür war ihm eine Gesamtentschädigung
von 600 M. zugesichert; für
jeden ausgeführten Entwurf sollten außerdem
3000 M. vergütet werden.
Für den Wettbewerb haben die Professoren
Julius Diez, F. H. Ehmcke und Ludwig Hohlwein
je einen, die Professoren Robert Engels
und Otto Hupp je zwei Entwürfe eingesandt;
die Professoren Fritz Erler, Walter Firle, Adolf
Hengeler, A. Hoffmann, Angelo Jank, Karl von
Marr und Rudolf Schiestl, die ebenfalls eingeladen
waren, haben sich daran nicht beteiligt.
Professor Diez hatte als Markenbild den Verkehr
im Zeichen des Friedens, F. H. Ehmcke
die Ährengarbe als Sinnbild friedlicher Arbeit
und Hohlwein das bayerische Wappentier, den
Löwen, als Schützer der Frucht des Friedens
gewählt. Auf den Entwürfen Professor Engels
sind Schild und Schwert, die Zeichen des Krieges
, zur Seite gelegt, und das schaffende Volk
greift wieder zu Pflug und Handwerkszeug,
während Otto Hupp den jungen Frieden neben
dem Pflug zeigt und den bayerischen Löwen,
der den Drachen des Krieges würgt.
Ein praktischer Erfolg blieb auch diesem
Wettbewerb versagt. Das Staatsministerium für
Verkehrsangelegenheiten hat in Erwägung aller
zu berücksichtigenden Umstände beschlossen,
von der Ausgabe von Friedensmarken abzusehen
; auch soll keiner der Entwürfe für die
kommenden neuen Marken des Volksstaates
Bayern verwendet werden. D.
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