http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_40_1919/0193
ständliche Ausformungen sind vermieden; die
Wirkung ist vielmehr solid verarbeitetem
Material, schlichten und doch nicht freudlosen
Formen und der sorgfältigen räumlichen Aufteilung
zugemessen.
Das Heim des Künstlers gibt das Bild einer
auf das Einfache und Erlesene gerichteten
Wohnungskunst. Das Zimmer der Frau (S. 164
und 165) ist in seiner Wirkung durch eine Niemeyer
-Tapete (auf weißem Grund Rosen mit
grünen Blättern und violetten kleinen Blumen)
vorbestimmt. Gegen die locker und bewegt erscheinende
Wandfläche könnte eine strenge
Form der Möbel leicht hart und starr wirken.
Die lebhaft vortretende annähernd postkutschengelbe
Lackierung bringt jedoch — in einem
scheinbar gewagten aber in der Tat voll beherrschten
Unternehmen — die Verbindung mit
der Wand glücklich zustande. Feine Stäbchen
in dunklem Nußbaum laufen (S. 165) die Rahmengrenzen
ab, kräftigere unterstreichen Sockel
und Sims. Auch die Möbelfüße und die Knöpfe
sind durchweg in Nußbaum gebildet. In den
Kastenmöbeln entsteht durch die feine dünne
Auszeichnung auf hellerem Grunde das Spiel
einer einfachen und heiter anmutenden Geometrie
, an dem auch der Bodenteppich mit verwandter
Ausbildung teilnimmt. Die Stühle zeigen
besonders glückliche, mit feinem tektoni-
schen Empfinden geschaffene Formen. Durch
die Angemessenheit an den menschlichen Körper
ist der Stuhl in seiner Zweckform das un-
freieste aller Möbelstücke. Er widersetzt sich
demnach am meisten der kubischen Gestaltung,
die ihn wie die Kastenmöbel in die allgemeinen
Raumformen einbeziehen möchte. In der voll-
ARCH. FRITZ SPANNAGEL-MÜNCHEN
SOFA AUS DEM HERRENZIMMER
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